Am Wochenende haben die Regelhüter des Fußballs Änderungen beschlossen, die das Spiel künftig anders aussehen lassen. So hat das International Football Association Board (IFAB) eine Modifizierung der Handspielregel beschlossen und auch bei Auswechslungen, Freistößen und Abstößen ändern sich ab dem 1. Juni 2019 ein paar Dinge. Aber sind die Änderungen auch sinnvoll? Wir haben den ehemaligen Bundesliga- und WM-Schiedsrichter Bernd Heynemann befragt.

1. Kein Tor mehr mit der Hand

Beim Handspiel, der derzeit meist diskutierten Regel, gibt es gleich zwei Änderungen. Die erste: Mit der Hand darf ab bald kein Tor mehr erzielt werden. Bislang war das erlaubt, wenn das Handspiel unabsichtlich war, zum Beispiel beim Treffer von Gladbachs Christoph Kramer am 17. Spieltag. Wenn aus einem Handspiel aber nun eine Torchance oder ein Tor entsteht, dann werden auch unabsichtliche Handspiele abgepfiffen. Diese Regel gilt aber nur für die Offensive. Wer unabsichtlich per Hand ein Tor verhindert, wird nicht bestraft.

Bernd Heynemann: "Das finde ich grundsätzlich gut. Das nimmt einen Diskussionspunkt aus der leidigen Handspieldebatte heraus. Es ist total sinnvoll, dass man mit einer Hand kein Tor erzielen darf. Das Spiel heißt ja auch Fußball."

2. Hände unten lassen

Beim Handspiel stellte sich bislang stets die Frage, ob Absicht vorlag? Keine einfache Entscheidung, Schiedsrichter sind ja keine Juristen (zumindest die meisten nicht). Die Schiris zogen als Anhaltspunkte stets Kriterien wie die Normalität der Armhaltung oder ob der Spieler mit dieser Haltung seine Körperfläche vergrößerte heran. Genau dieser Punkt, die "unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche", wird nun im Regelwerk festgeschrieben. Wenn ein Spieler Arme oder Hände über Schulterhöhe hält, wird beim Kontakt mit dem Ball grundsätzlich abgepfiffen. Ebenso, wenn Arm oder Hand sich in einer unnatürlichen Position befand oder bewusst zur Vergrößerung der Körperfläche eingesetzt wurde.

Heynemann: "Ich erinnere mich an einen Fall, bei dem ein Spieler hochgesprungen ist, die Hand oben hatte und von hinten angeköpft wurde. Das sollte dann Hand sein, obwohl er den Ball gar nicht gesehen hatte. Was ich sagen will: Man kann Bewegungen beschreiben, aber nie genau definieren. Die Pinguinhaltung ist jetzt hoffentlich vorbei. Ohne Arme kann ja niemand verteidigen. Aber jetzt zu sagen, alles was über Schulter ist, ist verboten, ist schwierig. Springen Sie mal hoch und versuchen Sie dabei, die Arme unter Schulterhöhe zu halten, das geht eigentlich nicht. Sie müssen ja Schwung holen. Was ist da also 'natürlich'? Da wird es immer Interpretationsspielraum geben und geben müssen, weil da keine Schablone drauf passt. Man versucht eben, etwas zu definieren, was nicht zu definieren ist. Die Diskussionen werden also weitergehen."

3. Die Mauer in Ruhe lassen

Bei Freistößen in Tornähe dürfen die Spieler des ausführenden Teams sich künftig nicht mehr in die Mauer der Abwehrspieler stellen. Sie müssen mindestens einen Meter Abstand halten. So soll das Gerangel, Gedrücke und Geschubse verhindert werden. Aber: Dafür muss die Mauer aus drei oder mehr Spielern bestehen.

Heynemann: "Das ist sinnvoll, weil es bisher in der Mauer immer viel Trubel gab. Nun wird schon vor der Ausführung des Freistoßes ein Unruheherd weggenommen. Der Schiedsrichter kann sich auf Wichtigeres konzentrieren, gut so."

4. Keine Trödeleien mehr bei Auswechslungen

Spieler, die ausgewechselt werden, müssen das Feld künftig sofort an der nächstgelegenen Linie verlassen, egal ob Seitenaus- oder Torlinie. Bislang mussten die Spieler in Höhe der Mittellinie vom Feld. Abgeklatscht mit dem Neuen wird künftig also wohl seltener.

Heynemann: "Meistens ist es ja so, dass der Spieler, der ausgewechselt wird, erst übers ganze Spielfeld trabt. Es gibt ja auch Trainer, die den Spieler, der rausmuss, kurz vorher noch mal auf die andere Seite des Platzes schicken, damit man beim Wechsel schön viel Zeit von der Uhr nimmt. Das ist bald vorbei. Die neue Regel ist also der Nettospielzeit förderlich, eine sinnvolle Änderung."