Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) darf dem SV Waldhof Mannheim für das Fehlverhalten seiner Fans keine Punkte abziehen. Das hat das Landgericht Frankfurt am Main entschieden und gab damit dem aktuellen Tabellenführer der Regionalliga Südwest in seiner Klage gegen den Fußballverband recht. Damit muss der DFB die Strafe zurücknehmen.

"Der Punktabzug verfälscht den sportlichen Wettbewerb. Diesen in fairer Weise zu fördern, ist oberster Satzungszweck des DFB. Ein Punktabzug ist daher in aller Regel nur gerechtfertigt, wenn er dazu dient, einen unberechtigt oder in sonstiger Weise unfair erlangten Vorteil wieder rückgängig zu machen", sagte der Vorsitzende Richter Richard Kästner.

Hintergrund des Verfahrens ist ein Vorfall bei dem Relegationsrückspiel der Mannheimer um den Aufstieg in die 3. Liga gegen den KFC Uerdingen am 27. Mai 2018. Damals hatten Waldhof-Fans Rauchbomben auf das Spielfeld geworfen. Dies hatte zum Spielabbruch geführt – Waldhof verlor die Partie und stieg nicht auf. Der DFB-Kontrollausschuss hatte anschließend unter anderem einen Abzug von neun Punkten gefordert. Verurteilt wurden die Mannheimer letztendlich zu drei Punkten Abzug und einer Geldstrafe von 25.000 Euro.

DFB will Berufung gegen das Urteil einlegen

Das Frankfurter Gericht verurteilte zwar den Einsatz von Pyrotechnik im Stadion und sprach dem DFB grundsätzlich das Recht zu, Vereinen Punkte abzuziehen, um sportliche Fairness herzustellen. Allerdings sei dies beim vorliegenden Fall nicht erkennbar gewesen. "Der vom Sportgericht verhängte Punkteabzug korrigierte daher nicht die Punkteverteilung in diesen Spielen, sondern entfaltete seine Wirkung auf die gesamte nächste Spielsaison, die mit den Vorfällen in den Relegationsspielen in keinem Zusammenhang steht", teilte das Gericht mit.

Zudem seien bei der Entscheidung des DFB nicht die Interessen der Spieler berücksichtigt worden, die keine Schuld für die Ausschreitungen treffe. Ein Abzug von drei Punkten könne den Aufstieg in die 3. Liga verhindern. Das habe für jeden Spieler unmittelbare, auch finanzielle Auswirkungen. Dem könne auch nicht entgegengehalten werden, dass der SV Waldhof Mannheim derzeit Tabellenführer sei und nach sportlichen Kriterien gegenwärtig in die 3. Liga aufsteigen würde", schrieb das Gericht.

Das Urteil des Landgerichts ist allerdings nicht rechtskräftig – innerhalb eines Monats kann Berufung vor dem Oberlandesgericht eingelegt werden. Der DFB will das Urteil prüfen und voraussichtlich dagegen vorgehen. "Der Richterspruch deckt sich nicht mit unserer Rechtsauffassung", sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch laut einer Mitteilung des Verbands.