Vielleicht ist Thomas Müller auch deswegen so verärgert, weil der DFB-Präsident Müllers Rauswurf begrüßte. Reinhard Grindel würde vermutlich entgegnen, dass er das so nicht gemeint hat. Doch Grindels Stellungnahme zum Nationalmannschaftsende von Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng begann mit den Worten: "Ich begrüße es, dass Jogi Löw entschlossen den Umbruch voranbringt." Einem Aussortierten sollte man nicht verübeln, dass er das nicht gerne liest.

Das Statement des DFB-Präsidenten erschien unmittelbar nach dem Gespräch, als flankierende kommunikative Maßnahme sozusagen. Vielleicht würden es McKinsey oder Ernst & Young auch auf diese Art handhaben, man kann ein solches Vorgehen professionell nennen.

Müller nannte es in seinem Selfievideo anders: "Das war kein guter Stil und hat mit Wertschätzung nichts zu tun." Explizit erwähnte er den DFB-Präsidenten, Löw durfte sich mitgemeint fühlen.

Müller hat auf eine wahrlich sensationelle und radikale Entscheidung des Bundestrainers mit wahrlich deutlichen Worten geantwortet. Seine Kritik entzündet sich nicht an der Entscheidung selbst, sondern an der Art ihrer Übermittlung. "Ein Trainer muss sportliche Entscheidungen treffen", sagt Müller, "das stelle ich nicht infrage." Boateng hatte sich ähnlich geäußert, Hummels inzwischen auch.

Die drei finden natürlich auch nicht gut, dass sie nicht mehr für gut genug befunden werden. Müller etwa weiß, dass er schon mal viel besser gespielt hat. Eine einfache Nichtnominierung hätte er akzeptiert, gibt er zu verstehen. Man darf es ihm glauben, er saß schon anstandslos auf der Bank, zuletzt bei seinem 100. Länderspiel im November in Gelsenkirchen.

Trennungen verursachen Schmerzen. Doch sollte man die Botschaft der drei Weltmeister nicht als bloße Rache von Gekränkten abtun, sondern ernst nehmen. Sie lautet: Der DFB hat das Gespür dafür verloren, worauf es im Fußball ankommt. Zum Beispiel dafür, was die Fans denken, das Fußballvolk fühlt, was die Vereine verlangen und, das wird nun sichtbar, sich seine eigenen Spieler wünschen.

"Wie das abgelaufen ist, macht mich sauer", sagt Müller in dem zweiminütigen Clip mit nur leicht erkalteter Wut. Er meint zum Beispiel den Zeitpunkt. Es stehen für die Spieler von Bayern München die Höhepunkte der Saison an. Was Müller noch meint: Ein solch radikaler Schritt wie der Verzicht auf drei Weltmeister wäre nach dem WM-Aus sicher eher akzeptiert worden, doch damals gab Löw ihnen zu verstehen, sie seien wichtig für die Zukunft.