Auf der Pressekonferenz nach dem 5:0 der Bayern gegen Dortmund kam es zu einem denkwürdigen Schulterschluss zwischen Sieger und Verlierer. Lucien Favre wurde die naheliegende Frage gestellt, warum er Mario Götze nicht in die Startelf berufen hatte. Favre nahm die Frage als Affront: "Wenn du verlierst, ist immer der Trainer schuld." Da sprach er Niko Kovač offenbar aus der Seele, der Bayern-Trainer klopfte ihm für diesen Satz auf die Schulter. Erst als der Journalist nachhakte, begründete Favre seine Entscheidung.

Dann hob Kovač zu einer medienethischen Grundsatzrede an. Er behauptete, dass auch andere Kollegen das so sähen wie er, zitierte die Bergpredigt von Jesus ("Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu") und dass "wir alle mal wieder klarkommen müssten mit unserem Leben". Das sei nicht in Ordnung, was hier abgehe. Man meinte, noch ein "Gut gesprochen" von Favre zu hören.

Gemeckert wurde über Journalisten schon immer. Doch die Dimension ist neu, denn die Medienschelte erfasste am Wochenende beinahe die halbe Liga.

Mats Hummels und Thomas Müller stimmten ein. Gladbachs Trainer Dieter Hecking brach vor laufender Kamera ein Interview ab. Ihm gefiel eine Frage zur Aufstellung nicht. Schalkes Huub Stevens war von der Last-minute-Niederlage seines Teams noch so aufgebracht, dass er den Journalisten, der eine Frage zur spielentscheidenden Szene stellte, anranzte: "Hör auf! Ich antworte dir nicht mehr. Weg! Du bist lächerlich. Du stehst hier und bist der große Junge, aber du bist lächerlich." Ein anderer Reporter stellte die gleiche Frage, Stevens nannte ihn "Papagei". Herthas Trainer Pál Dárdai glaubt sogar, dass man seinen Club absichtlich hochschreibt, um dann draufzuhauen, wenn es nicht läuft: "Das ist wahrscheinlich sogenannter geplanter Mord."

Was übersehen wird

Das Ende der Saison naht, da steigt die Nervosität. Doch das alleine kann die neue Gereiztheit der Bundesliga nicht erklären. Kann es sein, dass die Trainer die Urheber der Kritik an ihnen verwechseln? Hecking hat inzwischen eingeräumt, dass er sich "unsouverän" verhalten habe, und hat sein ungewöhnliches Verhalten mit den Ereignissen begründet, die sich in Mönchengladbach zuletzt zugetragen hätten. Ihm wurde nämlich von seinem Manager das Ende seiner Gladbacher Zeit angekündigt.

Auch an Dárdai wachsen im Verein die Zweifel, ob er die Hertha fit für die Zukunft machen kann. Seine Spieler widersprachen außerdem seiner Darstellung, dass man ihnen keinen Vorwurf machen könne. Sie waren unzufrieden über die Niederlage gegen Düsseldorf. Und der Jahrhunderttrainer Stevens hat es auf Schalke nicht viel besser gemacht, er hat nur gegen die noch schlechteren Hannoveraner gewonnen und dreimal verloren.

Wer den aufjaulenden Trainern Recht gibt und auf die Medien schimpft, übersieht also etwas: Unruhe lässt sich nicht von außen in einen Verein hineinfantasieren. Sie muss schon da sein, bevor sie Journalisten beschreiben können. Doch Kritik, was auch eine Form der Zuwendung ist, sind viele nicht gewohnt, vielleicht ja, weil sie nach einer überdurchschnittlichen Vorrunde überdurchschnittlich gelobt wurden. Und die Liga hat offenbar etwas erfasst, das man wohl als Furcht vor der Stagnation diagnostizieren muss. Sie könnte von anderen Ligen abgehängt zu werden, Indizien dafür sind einige da. Diese Woche beginnt das Viertelfinale der Champions League ohne ein deutsches Team. Und selbst in einer mittelprächtigen Bayernsaison, in der sogar Uli Hoeneß sagt, Platz zwei wäre auch ok, sind sie nun doch wieder Tabellenführer.