Wer spielte wie gegen wen?

Ausnahmsweise gewann Nürnberg unsere Herzchenwertung, die meisten unserer Userinnen und User drückten dem FCN die Daumen. Es hat geholfen.

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Nürnberg gegen Bayern. Es war eins der raren "Ich war dabei"-Spiele. Vor dem Anpfiff hatten Franke und Fränkin befürchtet, sie müssten mehrere Torschreie der acht- bis zehntausend Bayern-Fans im eigenen Stadion erleiden. Nach fünf Minuten schaute der eine oder andere staunend auf die Uhr: "Oh, noch immer 0:0." Nach zehn und 15 schon wieder, doch aus Verwunderung wurde nach und nach leise Hoffnung. Der behäbige und satt wirkende Meister aus München, der rund viermal so viele Punkte geholt hat wie der Aufsteiger, schoss viel seltener aufs Tor, als seine Fans Böller aufs Feld warfen.

Plötzlich wagten sich die Nürnberger an den Strafraum des Gegners. Tim Leibold, Eduard Löwen und Matheus Pereira trauten sich auch mal, ihre prominenten Gegner auszuspielen. Die Abwehr des Tabellenvorletzten verteidigte abgeklärt. Dann, nach der Pause, geschah das Undenkbare, Unmögliche: Der FCN ging nach einem schönen Angriff durch Pereira in Führung. "Allmächt!", erklang es, und vielen der 50.000 sprang vor Glück das Herz fast aus dem Leib.

Nürnberg legte beinahe sogar noch ein Tor nach. Dann war auf den starken Christian Mathenia im Tor Verlass. Bis auf einmal, da war er chancenlos gegen Serge Gnabry, der angeschossen wurde und so in der 75. Minute ausglich. Der Sturmlauf der Bayern blieb aber aus und als der FCN in der 90. Minute einen Elfmeter zugesprochen bekam, war das Max-Morlock-Stadion bereit zur Explosion. Doch Leibold traf bloß den Innenpfosten, von dort prallte der Ball fast bis zur Eckfahne und ins Seitenaus. Es musste so kommen, wie die leidgeprüften und im Scheitern geübten Franken sagten. Es war bereits der vierte verschossene Strafstoß der Nürnberger in dieser Saison.

Das Spiel hielt noch eine Zugabe parat: Durch eine Unachtsamkeit Nürnbergs fuhren die Bayern in der 95. Minute einen Konter, die Chance für Kingsley Coman war mindestens genauso groß wie der Elfer zuvor. Als er gut fünfzig Meter lang allein auf Mathenia zulief, wussten alle: Die Bayern, so schwach sie auch waren, würden wieder gewinnen. Manche Zuschauerinnen und Zuschauer schlossen ihre Augen. Doch Nürnbergs Keeper hielt den Ball und zu Ende war ein Spiel, von dem die Nürnberger nicht wissen, was sie davon halten sollen.

Es kam alles viel, viel besser, als sie sich ausgemalt hatten. Am Ende waren sie stolz auf ihre Elf, die fast nie gewinnt. Und doch, typisch Glubb, fühlte sich selbst ein Unentschieden gegen Bayern wie eine kleine Niederlage an, denn er war der Verlierer des Spieltags, weil die Konkurrenz überraschend gewann. Der FCN kann kaum noch die Klasse halten, ihm bleibt vielleicht noch die Freude, dem FC Bayern die Meisterschaft versaut zu haben. Was in Franken kein kleiner Trost wäre. Nach den falschen Elfmetern in dieser Woche war es dem FCN zu verdanken, dass die Fußballwelt nicht völlig verdunkelt. Er erhielt Gratulationen aus ganz Deutschland. Nürnberg rettete das Titelrennen, aber nicht sich selbst.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Dortmund gegen Schalke, alles andere als ein schönes Spiel. Der BVB war wieder wenig meisterlich. Er kassierte erneut ein Tor nach einer Ecke und hat nur einen starken und verlässlichen Innenverteidiger, Manuel Akanji. Das zentrale Mittelfeld baute das Spiel wie so oft nur in die Breite auf. Marco Reus war kaum zu sehen. Mario Götze schoss ein schönes Tor, verlor aber oft den Ball. Dortmund kam nicht zum ersten Mal gegen ein sehr defensives Team kaum in die Gefahrenzone. Und Lucien Favre gab nach der Niederlage auch noch den Titel auf, obwohl der Rückstand des BVB nur einen Punkt betrug (inzwischen zwei). Und die Schalker schossen zwar vier Tore, aber mehr als ein oder zwei vernünftige Angriffe bekamen sie in den neunzig Minuten nicht hin. Sie stellten sich hinten rein und kloppten die Bälle nach vorn, außerdem foulten sie mit Absicht, oft hart. Sie brachten gar das Kunststück hin, in zweifacher Überzahl ein Tor zu kassieren. Vom Feiern hielt sie das freilich nicht ab.

Und manche Fans wurden wohl straffällig. Die Polizei sprach von einer "gewaltbereiten Minderheit", es gab Festnahmen wegen Körperverletzung, Landfriedensbruch und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz. Im Dortmunder Block hing ein schwulenfeindliches Plakat, im Schalker ein Transparent mit der Aufschrift: "Immer noch ne Bombenidee, Freiheit für Sergej W." Eine makabre Anspielung auf das Attentat auf den Dortmunder Mannschaftsbus vor zwei Jahren. Zudem wurde der beste BVB-Spieler Jadon Sancho aus dem Schalke-Block mit einem Feuerzeug beworfen und leicht verletzt. Während er behandelt wurde, glichen die Schalker aus. Ihr Sieg war ein Festtag allenfalls für Zyniker, Nihilisten, Misanthropen, Leuten, die in Bond-Filmen Ernst Stavro Blofeld die Daumen drücken, oder halt noch Bayernfans. Ansonsten müssen sich die Schalker allein über den Derbysieg freuen.

Wer stand im Blickpunkt?

Nico Willig. Der junge Stuttgarter Interimstrainer mit der hohen Stirn feierte einen erfolgreichen Einstand. 1:0 schlug der VfB die Gladbacher in einem teils spektakulären, stellenweise wilden, allerdings auch bisweilen überharten Spiel. Glück war dabei, das Tor fiel nach einer der vielen spontanen Hüftersteifungen der Borussen-Abwehr. Die Stuttgarter Fans schwiegen am Anfang aus anhaltender Enttäuschung über das 0:6 in Augsburg in der Vorwoche, erst im Laufe des Spiels wurde die Stimmung besser. Es war erst der zweite Sieg der Stuttgarter in diesem Jahr, die erstmals ohne Gegentor blieben. Es läuft wohl auf Platz 16 hinaus.