Worüber reden nach dem Spieltag alle?

Über das Wetter. Mitte April gilt für ein spannendes Meisterschaftsrennen dasselbe wie für Schnee: Es kommt nicht mehr so oft vor wie früher, aber es kommt vor. In Dortmund schneite es zwar erst nach Abpfiff, eine Zitterpartie war das 2:1 gegen Mainz trotzdem. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison machte der Gegner in der zweiten Halbzeit das bessere Spiel, dem BVB reichte aber der effiziente Umgang mit zwei guten Angriffen vor der Pause und die Leistung von Torwart Bürki zum Sieg. Mainz, angetrieben vom Rechtsverteidiger Giulio Donati, hatte gute Chancen für drei Tore. Sie schossen aber nur eins, zweimal an den Pfosten und einmal rettete Bürki besonders spektakulär auf der Linie.

Dortmund hat nun 66 Punkte nach 29 Spielen, das ist der zweithöchste Wert der Vereinsgeschichte. Trotzdem hörte sich das Westfalenstadion unzufrieden an, raunte über die Mainzer Überlegenheit und dann und wann pfiff es auch. Die Lücke zwischen dem angestrengten Underdog-Image und den tatsächlichen Erwartungen ist deutlich größer als der eine Punkt Rückstand auf den FC Bayern. Der blieb eiskalt und gewann souverän 4:1 in Düsseldorf. Zum Vergleich der Meisterschaftsanwärter: Die Bayern haben ihr Heimspiel gegen Mainz 6:0 gewonnen, Dortmund das Auswärtsspiel in Düsseldorf 1:2 verloren.

Was machen die Frauen?

Sie entschieden in der Bundesliga über die erste Absteigerin und haben jetzt eine Meisterschaftsfavoritin mit Punktvorsprung. Die Letzte Gladbach (0 Siege, 1 Remis, 17 Niederlagen) steht nach einem 0:4 gegen Hoffenheim als künftige Zweitligistin fest. Im Titelkampf legte Wolfsburg in Leverkusen 5:0 vor. Bayern spielte daheim gegen Essen nur 2:2. Dafür ist Bayern noch in der Champions League vertreten, am Ostersonntag kommt der FC Barcelona.

Was war sonst noch wichtig?

  • Hinter Bayern und Dortmund steht Leipzig nach 29 Spielen nun mit 22 Gegentoren bei 58 Punkten. Es gab schon Spielzeiten, in denen man damit Tabellenführer gewesen wäre. So ist der Vorsprung nach hinten komfortabel, Leipzig wird wohl in der Champions League landen. Dass die Vereinsfarben auch in der Europa League vertreten sind, ist traditionell eh die Aufgabe von Salzburg.
  • Die größte Überraschung des Spieltags ist schon keine mehr: Fortuna Düsseldorf ist fünf Spiele vor Schluss der Klassenerhalt sicher. Eine große Leistung eines Kaders, den man vor der Saison eher an der Untergrenze der Bundesligatauglichkeit angesiedelt hätte. Und eine große Leistung ihres Trainers Friedhelm Funkel, dem in Zeiten jünger werdender Trainereinsteiger mit 65 Jahren noch ein Meisterstück gelingt.
  • Dass Bremen die einzige ungeschlagene Mannschaft 2019 ist, liegt am FC Augsburg. Der gewann sein Auswärtsspiel in Frankfurt 3:1 und beendete deren Serie. Wie schon am Donnerstag beim Europapokalspiel in Lissabon hatte die Eintracht bei Abpfiff nicht nur zwei Tore, sondern auch einen Mann weniger als der Gegner. Gelson Fernandes' Platzverweis war schon der sechste gegen die SGE in dieser Saison. Bisher spielte die heißblütige Eintracht in der Rückrunde alles kurz und klein. Nach dem kraftlosen Auftritt am Sonntag stellt sich die Frage, ob die Mannschaft nur müde war oder die Luft raus ist. Ein Fanal gab es schon in Lissabon: Das gemeinsame Wappentier von Benfica und Eintracht, der Adler, war einfach weggeflogen.
  • Neben Augsburg holten von Platz 8 bis 18 nur zwei Mannschaften einen Punkt: Nürnberg und Schalke, weil sie gegeneinander spielten. Der FCN, bisher drei Siege in 28 Spielen, war sogar besser, traf aber lange das Tor nicht. S04 nahm nach übler Leistung einen Punkt mit und vergrößerte sogar den Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Huub Stevens, Schalker Übergangstrainer (eine Tautologie?), nahm das Ergebnis mit der ihm eigenen Souveränität und Freundlichkeit zur Kenntnis.

Welche waren die Zitate des Spieltags?

"Die Nürnberger, die sind dran an Stuttgart. Wenn Stuttgart keine Punkte holt, kann Nürnberg vielleicht noch mal von der Klippe springen."
(Eine fränkische Redewendung von Lothar Matthäus)

"Welche Regel? Es gibt doch bei Hand gar keine Regeln. Der Schiedsrichter entscheidet, so wie er gerade lustig ist, und dann gibt's Elfmeter."
(Friedhelm Funkel, Anarchist)