Fredi Bobic ist der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, die am Donnerstag im Hinspiel des Europa-League-Halbfinals auf den FC Chelsea trifft.

ZEIT ONLINE: Herr Bobic, die Fifa, die Uefa, auch manche großen europäischen Vereine schmieden geheime Pläne für Superligen. Was führen die im Schilde?

Fredi Bobic: Man muss sich Sorgen machen. Man gewinnt den Eindruck, dass sich die internationale Fußballelite absetzen will. Das gefällt mir nicht, was ich da lese und höre. Das ist undurchsichtig, da geht es zu viel um Politik und Geschäft. Da bleibt etwas auf der Strecke.


ZEIT ONLINE: Was denn?


Bobic: Die Werte des Sports und der Fußball, wie man ihn seit mindestens hundert Jahren kennt. Wir dürfen die Fans nicht überfrachten. Weltliga, eine Weltmeisterschaft mit 48 Ländern, Nations League – das braucht alles niemand und da blickt keiner mehr durch. Bei der Fifa hat sich auch unter Gianni Infantino nichts verändert, sie verkauft den Fußball. Die nationale Meisterschaft muss das höchste Gut bleiben, die internationalen Wettbewerbe die Ergänzung. Das muss auch heißen: Am Wochenende ist Bundesliga, nichts anderes!


ZEIT ONLINE: Der DFL-Geschäftsführer Christian Seifert beteuert: "Das Wochenende muss den nationalen Ligen gehören." Was bedeutet es für die Bundesliga, wenn es doch anders kommt? 

Bobic: Wir von den Clubs aus der zweiten Reihe werden wenig gefragt, wenn die Verbände in Hinterzimmern entscheiden.


ZEIT ONLINE: Was bedeutet das konkret? Wie läuft das ab mit der Mitsprache, wird Eintracht Frankfurt gehört?  

Bobic: Es gibt die Gremien der DFL wie etwa die Liga-Versammlung, in welcher alle Vereine gehört werden. Natürlich haben die international erfolgreicheren Vereine eine lautere Stimme. Unsere hat da zuletzt sicher an Lautstärke zugelegt. Grundsätzlich aber ist es so, dass wir alle uns von Christian Seifert bestens vertreten fühlen, da er für die Rechte der Liga kämpft und die Interessen der gesamten Liga vertritt.  

ZEIT ONLINE: Gegen das Vorhaben der Fifa, eine Club-Weltmeisterschaft zu gründen, hatte Bayern München zunächst wie viele andere Vereine protestiert. Als sie beschlossen wurde, jubelte Uli Hoeneß. Was sagen Sie zu seiner Wende?

Bobic: Man muss zu einer Sache stehen. Sie erst kritisieren und am Ende doch mitmachen, wäre nicht meine Sache …

ZEIT ONLINE: Noch mal: Wie erklären Sie sich die Wende? 

Bobic: Offenbar fanden die Bayern die Idee von Anfang an gut und haben nur so getan, als wären sie dagegen. Vermutlich weil das besser ankam. Der Sport ist wie die Gesellschaft. Die Reichen werden immer reicher, der Abstand der Elite zum Rest wächst rasant und dynamisch.  

ZEIT ONLINE: Vielleicht ist das mit der Internationalisierung auch bloß eine Generationenfrage. Kann man es nicht wünschenswert finden, wenn Europa zusammenrückt? Bayern, Juventus, Paris und Barcelona sind ihren Ligen doch ohnehin entwachsen. Warum nicht gleich eine eigene Liga für sie? 

Bobic: Ich male mal hypothetisch das düstere Szenario einer europäischen Superliga: Es kann sein, dass am Anfang die Großen der Sieger sind. Doch am Ende gewinnen wir, denn Eintracht Frankfurt gegen Mainz 05 wird die Fans auf Dauer immer mehr interessieren als Real Madrid gegen Bayern München. 

ZEIT ONLINE: Im Rhein-Main-Gebiet vielleicht. 

Bobic: In Deutschland. Das Pokalspiel Bayern gegen Heidenheim hatte laut meinen Informationen eine höhere TV-Quote als die Champions-League-Partie Bayern gegen Paris. Ich lebe nicht in der Vergangenheit, aber die Bundesliga wird noch in hundert Jahren funktionieren.