Fußball - DFB-Präsident Reinhard Grindel tritt zurück Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete soll falsche Angaben über Einkünfte während seiner Zeit beim DFB gemacht haben. Im September soll ein Nachfolger gewählt werden. © Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Reinhard Grindel ist mit sofortiger Wirkung als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurückgetreten. Das gab Grindel in einer persönlichen Erklärung bekannt. Zuvor hatten mehrere Medien über die Entscheidung berichtet. Demnach ist der Schritt die Konsequenz aus den Anschuldigungen und der schweren Kritik gegen seine Person in den vergangenen Tagen.

Die Geschäfte des Verbandes sollen zunächst von Ligapräsident Reinhard Rauball und DFB-Vizepräsident Rainer Koch geführt werden, teilte der DFB mit. Dies gelte bis zum DFB-Bundestag im September. Seine Ämter im Exekutivkomitee des europäischen Dachverbands (Uefa) und im Council des Weltverbands Fifa werde Grindel "in enger Abstimmung mit dem DFB" fortführen, hieß es.

Koch äußerte "großen Respekt" für Grindels Entscheidung. "Unser Ziel ist es jetzt, einen gemeinsamen Kandidaten von DFB und DFL außerhalb des Präsidiums zu finden, der die Anliegen des Amateurfußballs ebenso im Blick hat wie den Spitzenfußball", sagte er. Rauball sieht durch den Rückzug Grindels nach knapp drei Jahren im Amt den Weg "für einen personellen, aber auch strukturellen Neuanfang innerhalb des DFB" frei.

Der unmittelbare Anlass für Grindels Rücktritt ist, dass er eine teure Uhr von einem Funktionärskollegen annahm. Er sei "tief erschüttert", dass er wegen eines solchen Vorgangs seine Funktion als DFB-Präsident aufgeben müsse, sagte Grindel. Er sei fassungslos "über den Fehler, der mir da unterlaufen ist". Für ihn sei die Uhr ein reines Privatgeschenk gewesen. Es sei ein Gebot der Höflichkeit gewesen, dieses Geschenk anzunehmen. Zuvor hatte die Bild-Zeitung darüber berichtet, dass der frühere ukrainische Verbandschef Grigori Surkis dem DFB-Chef zum Geburtstag eine Luxusuhr geschenkt hatte. Surkis saß bis Februar wie Grindel in der Exekutive der Uefa. Grindel bestritt einen Interessenkonflikt.

Erst seit dem Wochenende wisse er, dass die Uhr 6.000 Euro wert sei, sagte Grindel nun. "Es war ein schweres Versäumnis, diesen Wert nicht sofort zu ermitteln. So hätte ich bereits den Anschein unredlichen Handelns vermeiden können." Er wolle sich dafür entschuldigen, dass er mit der Annahme der Uhr Vorurteile gegenüber Fußballfunktionären bestätigt habe. Surkis habe ihn aber nie um Unterstützung gebeten. "Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht geldgierig bin", betonte Grindel. Er werde sich wegen der Sache auch an die Compliance-Beauftragten der Uefa und der Fifa wenden. Auch wenn er gegen Meldepflichten verstoßen habe, stehe seine Integrität nicht in Zweifel.

Grindel wird zudem vorgeworfen, falsche Angaben über seine Einkünfte gemacht zu haben. Als Aufsichtsratsvorsitzender der DFB-Medien Verwaltungs-Gesellschaft soll Grindel von Juli 2016 bis Juli 2017 zusätzlich zu seinen sonstigen Einnahmen 78.000 Euro erhalten und dies nicht publik gemacht haben. Dazu sagte Grindel, er habe bei seinem Amtsantritt korrekte Auskünfte über seine Einkünfte gemacht. Den gut dotierten Aufsichtsratsposten trat er drei Monate später an.

Immer wieder und immer deutlichere Kritik

Der einstige CDU-Berufspolitiker verlor während seiner Amtszeit zusehends an Rückhalt in seinem Verband. Kritik gab es bereits an seiner übereilten Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw – Monate vor der Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Im Umgang mit Löws Entscheidung, mit Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng drei der bisherigen Leitungsträger der Nationalmannschaft auszumustern, ließ Grindel es dann in den Augen vieler Experten an einer klaren Linie vermissen.

Dies gilt umso mehr für die sogenannte Fotoaffäre um den früheren Nationalspieler Mesut Özil. Der 30-Jährige hatte – so wie sein Nationalmannschaftskollege İlkay Gündoğan – mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan posiert und war dafür stark kritisiert worden. Özil verkündete daraufhin seinen Rücktritt aus der DFB-Elf und warf Präsident Grindel vor, ihn nicht ausreichend gegen rassistische Anfeindungen geschützt zu haben. Dieser räumte später ein: "Ich hätte mich angesichts der rassistischen Angriffe an der einen oder anderen Stelle deutlicher positionieren und vor Mesut Özil stellen müssen. Da hätte ich klare Worte finden sollen."

Ursprünglich wollte Grindel beim DFB-Kongress am 27. September in Frankfurt für eine weitere Amtszeit kandidieren. Bislang hatte sich kein Konkurrent gegen ihn öffentlich positioniert.