Vielleicht wären Sie, liebe ZEIT-ONLINE-Userinnen und -User, zurückhaltender gewesen, wenn Sie von den Abschlussfahrtplänen des SC Freiburg gehört hätten. Nach dem letzten Saisonspiel des SC, der auch in der kommenden Liga in der Bundesliga spielen wird, verkündeten die Fußballer, dass sie nun nach Mallorca aufbrechen, und es steht zu befürchten, dass sie eher nicht wegen der maurischen Architektur die Insel ansteuern. Doch die Kicker aus dem Schwarzwald benötigen gar keine edlen Motive. Sie, liebe User, Sie lieben den SC Freiburg sowieso.

Zumindest ist es das Ergebnis unserer Herzchenwertung. Seit der vorigen Saison können Sie vor den Bundesligapartien ihre Sympathien auf die Teams verteilen, indem Sie ihnen ein Herz geben. In dieser Saison verteilten Sie 1.238.852 Herzchen, das sind etwa hunderttausend weniger als im Vorjahr. Eine Spielerei, klar, aber eine mit wieder einmal interessanten Erkenntnissen.  

Die meisten Herzchen staubte in dieser Saison der BVB ab, der in der Bundesliga drauf und dran war, die bayerische Meisterserie zu beenden. Im vergangenen Jahr hatte noch der SC Freiburg gewonnen. Mit Abstand die wenigstens Herzchen konnte der VfL Wolfsburg einsammeln. Wie im Vorjahr.

In einer anderen Tabelle aber führt der SC Freiburg. Betrachtet man nämlich die Bundesligaspiele und lässt jeweils den Herzchensieger die Partie gewinnen, der dann auch drei Punkte bekommt, erhält man den Deutschen Herzchenmeister: den SC Freiburg. 33 Partien konnte er gewinnen, 99 Punkte. Nur das direkte Duell gegen den BVB ging verloren.

Bremen und Gladbach dahinter sind ebenfalls alte Bekannte in der Spitzengruppe. Neu dazu gekommen ist Frankfurt. Die Europafreude der Eintracht und starke Auftritte in der Liga werden eben auch vom ZEIT-ONLINE-Publikum honoriert. Dies ist eine weitere Erkenntnis der Tabelle: Wir wollen nicht behaupten, Sie seien Modefans, aber Sie machen schon gerne Trends mit. Spielt ein Team Fußball wie die Eintracht, auf den man sich farbenübergreifend einigen kann, honorieren Sie das auch mit ihren Herzen. 

Nicht so gut endete unsere Befragung mal wieder für den FC Bayern. Er gewann kein einziges der 34 Duelle, immer gaben Sie dem Gegner mehr Herzchen. Schon im vergangenen Jahr wurde Bayern in der Abschlusstabelle nur Dreizehnter, nun sind sie gar Vorletzter.

Der Wolfsburg-Effekt

Nur ein Club ist noch unbeliebter bei der ZEIT-ONLINE-Leserschaft: der VfL Wolfsburg. Daran änderte auch die überraschend starke Saison des VW-Teams nichts. Er wurde in der Gesamtwertung Letzter, gewann aber, im Gegensatz zu den Bayern, immerhin zwei direkte Duelle. Gegen, Sie ahnen es, die Bayern.

Wolfsburg schnitt im vergangenen Jahr gar so schlecht ab, dass wir einen Wolfsburg-Effekt beobachtet hatten. Es ist das Gegenteil einer Abschalteinrichtung: Wer gegen den VfL spielte, erhielt mehr Zuneigung. Den sahen wir auch in diesem Jahr. Immer, wenn es gegen den VfL ging, gewannen Teams überdurchschnittlich viele Herzen dazu, auch wenn der Effekt geringer ausfiel als noch im vergangenen Jahr.

Neu ist der Freiburg-Effekt: Alle Teams verlieren Herzchen, wenn es gegen Freiburg geht. Freiburg kriegt sie alle klein. Etwas abgeschwächt ist dieser Effekt auch bei Werder Bremen und Eintracht Frankfurt zu beobachten.

Noch ein paar Rekordzahlen: Die meisten Herzchen in einem Duell gab es bei Leipzig gegen Nürnberg (5.150:3.892). Dahinter folgte Bayern gegen Frankfurt, was auch die Partie mit dem größten Unterschied zwischen den beiden Teams war (1.578:7.237) und Dortmund gegen Bayern (6.421:1.670).

Die wenigsten Herzchen

Und Sie haben das fast Unmögliche in dieser Saison gleich doppelt geschafft: Zwei Partien endeten Unentschieden. Hoffenheim und Leverkusen bekamen von Ihnen jeweils 992 Herzen, Stuttgart und Hertha BSC bei deren Partie je 2.059. Vielleicht ist die eigentliche Nachricht aber auch die, dass es überhaupt Herzen für dieses Spiel gab.

Die geringste Zuneigung erhielt ein weiteres Spiel unter Nürnberger Beteiligung: das am Dienstagabend vor den Weihnachtsfeiertagen um 18.30 Uhr gegen Gladbach. 1.269 Herzen verteilten sich auf zwei Teams. Traurig, aber das verstehen wir. An kalten Dezemberdienstagen hat man um 18 Uhr schon den dritten Glühwein getrunken, das Herz hängt dann schon auf der Zunge. Es zeigt aber auch ganz gut, wie viel Begeisterung die nächste Fußball-WM in Katar entfachen wird, die genau zu jener Jahres- und Uhrzeit ausgespielt wird.