Den nächsten Aufstieg feierte der SC Paderborn im Spielertunnel, den Blick auf die Handys gerichtet. "Ich bin in die Kabine gegangen, ich konnte es mir nicht anhören", sagte Trainer Steffen Baumgart. Die Partie in Dresden war da schon zu Ende, Paderborn hatte mit 1:3 verloren. In Bochum spielte Union Berlin noch – es stand 2:2.

Ein Tor für die Berliner und Paderborn wäre auf Platz drei abgerutscht, weg vom direkten Aufstiegsplatz. Zwei Minuten blieben noch und im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion war es seltsam ruhig. Ein Luftholen, dann, um 17.22 Uhr, Union vergab die letzte Großchance, war auch das Spiel in Bochum aus. Es blieb beim Unentschieden, Paderborn ist damit zurück in der Bundesliga. Die Spieler, die Trainer, ja jeder der mit dem Club etwas zu schaffen hat, rannten zurück auf den Rasen, hin zu den Fans. Vorneweg Baumgart, der ehemalige Stürmer. "Das ist seit Langem der längste Sprint, den ich gemacht habe. Ich glaube, ich sollte es auch lassen", sagte er hinterher.

Paderborn zitterte sich zurück in die Bundesliga. Nichts anders hätte erwartet werden dürfen, denn es ist der Höhepunkt einer jahrelangen Achterbahnfahrt, wie es sie selten gab. Die Stadt mag nicht aufregendste der Republik sein, ihr Fußballverein hingegen bewirbt sich gerade um diesen Titel.

Zurück zum 20. September 2014: Erstmals hatte sich der Verein für die 1. Liga qualifiziert. Und steht als Aufsteiger nach zwei Siegen und zwei Unentschieden ganz oben, fährt als Spitzenreiter der Bundesliga zu den Bayern. Sie verloren zwar deutlich gegen Pep Guardiola, doch die Überschriften von damals, "Bayern übernimmt Tabellenspitze von Paderborn" hängen wohl in einigen Westfalener Wohnzimmern.

Doch nach diesem Tag ging es bergab. Schlagzeilen gab es, weil Stefan Effenberg zwischenzeitlich als Trainer scheiterte. Drei Saisons in Folge landete der SCP auf Rang 18, stieg aus der 1. und der 2. Liga direkt ab, und fand sich am 20. Mai 2017 eigentlich in der Regionalliga wieder. Sportlich abgestiegen aus der 3. Liga und damit raus aus dem Profifußball. Nur der Lizenzentzug des TSV 1860 München rettete den Club. Paderborn durfte bleiben. Und nahm wieder den entgegengesetzten Weg. 

Wie er spielen lässt

Das hat viel mit Steffen Baumgart zu tun. Im April 2017 kam der Rostocker nach Paderborn, er konnte den Abstieg damals nicht verhindern. "Ich bin zu einer Zeit gekommen, da ging es dem Verein nicht gut", sagte Baumgart einige Tage vor dem Aufstieg ZEIT ONLINE.

Steffen Baumgart: Paderborns Trainer ging von der Regionalliga bis in die Bundesliga. © Thomas Eisenhuth/Getty Images

Der knochige Trainer etablierte schnell einige Standards: "Ich habe schon zu meinem Amtsantritt gesagt: Fußball ist in erster Linie ein Kampfsport." Man könnte auch sagen: Baumgart will als Trainer den Fußball spielen lassen, den er früher selbst verkörpert hat. Der Mittelstürmer stand unter anderem für Schwerin, Rostock, Cottbus, Union Berlin und Magdeburg auf dem Feld. "Im Fußball geht es nicht um ein außergewöhnliches System. Bei mir wird auch kein Zettel auf dem Platz rumgereicht. Es geht um Laufbereitschaft, Mentalität und Emotionen", sagt er.

Paderborn spielt eigentlich immer im klassischen 4-4-2-System, tritt im Mittelfeld aggressiv auf. Die Attribute in der zweiten Liga waren: mutig, schnell und extrem offensiv. Beim 1:3 in Dresden, dem vielleicht wichtigsten Spiel der jüngeren Vereinsgeschichte, ließ sich das Team vor lauter Offensivdrang mehrmals auskontern. Wenn Paderborn spielt, dann fallen im Schnitt fast vier Tore. Distanzschüsse sind gerne gesehen. "Ich finde anderen Fußball langweilig. Ich will nicht hinten drinstehen, verteidigen und auf Konter warten", sagt Baumgart. Auch wenn Paderborn fähige Kicker in der Mannschaft hat, lebt das Spiel des Aufsteigers vor allem von gemeinsamer Laufarbeit, Tempo, Wille und Selbstbewusstsein. Fußball als Kampfsport eben.