Seine Spieler trugen Jürgen Klopp ganz nah an die Kurve und warfen ihn hoch. Emotionaler können Fußballer ihre Liebe für einen Trainer nicht ausdrücken. Und sie waren nicht allein damit. Tausende Liverpool-Fans feierten Klopp, viele mit Tränen in den Augen. Dann stimmten alle, Spieler wie Fans, die Vereinshymne an: "You'll never walk alone." Es war Höhepunkt dieser zuvor an Highlights armen aber intensiven Nacht.

Aber schon im Vorfeld hatte zumindest in deutschen Medien vor allem der Trainer Klopp im Mittelpunkt gestanden. Zum einen, weil er aus dem FC Liverpool in wenigen Jahren eine europäische Spitzenmannschaft geformt hat, die mit ihrem oftmals euphorischen Offensivfußball begeistert. Zum anderen, weil er die letzten sechs Endspiele verloren hatte, drei mit Liverpool, drei mit Dortmund, darunter je ein Champions-League-Finale. Nun muss man erst mal sechs solcher Endspiele erreichen – zumal mit Mannschaften, die oft Außenseiter waren. Aber gewinnen wäre schon auch mal schön. Sagte Klopp ja selbst.

Nach dem 2:0-Sieg gegen Tottenham Hotspur ist das gelungen. Endlich! Jürgen Klopp ist ein Vollendeter. Weil er im dritten Anlauf das wichtige Champions-League-Finale gewann, zählt er nun zu den wenigen ganz großen Trainern der Welt.

Solche Spiele bieten Anlass zu Pathos, doch Klopp kommentierte diesen Karriereschritt, wie man ihn kennt: launig, gelöst und flapsig. "Let's talk about six, baby", sang er vor Fernsehkameras in Anspielung auf die sechs Endspiele – einen alten Hit der Band Salt'n'Pepa frei interpretierend. Er fühle nicht in erster Linie Stolz, sondern sei vor allem erleichtert, weil er nicht mehr mit der Silbermedaille für den zweiten Platz in den Urlaub fliegen müsse. Auch seine Familie habe mehr verdient.

Zuvor hatte Klopp mit Pep Guardiola telefoniert, der ihm zum Sieg gratulierte. Sie hätten über den Physiotherapeuten gesprochen, der zu Beginn der Saison vom Pep-Club Manchester City nach Liverpool gewechselt sei. "Der wollte halt die Champions League gewinnen", sagte Klopp feixend. "Ein Scherz", ergänzte er, "Pep und ich haben uns bloß zugesichert, dass wir uns auch in der nächsten Saison gegenseitig in den Hintern treten." City hatte in der englischen Liga mit nur einem Punkt vor Liverpool die Meisterschaft gewonnen.

Klopp kam ins Plaudern und erzählte vom letzten Finale, als er mit seinen Freunden, Campino, dem Tote-Hosen-Frontmann, und Johannes Kerner einen offenbar spontan und in Bierlaune erfundenen Song gröhlte, der auf YouTube landete. "We saw the European Cup, we'll just keep on being cool, and bring it back to Liverpool!" Er habe damals gar nicht so recht daran geglaubt, was er gesungen habe, sagte Klopp. Aber jetzt habe er die Ankündigung doch wahr gemacht.

Klopp war in den vergangenen Jahren ein guter Verlierer, diesmal erwies er sich als guter Gewinner. Den unterlegenen Trainer von Tottenham Mauricio Pochettino umarmte er direkt nach dem Abpfiff. Alles Lob und alle Glückwünsche reichte er an seine "boys" weiter, betonte die Bedeutung seines Spielers James Milner, der diesmal nicht in die Startelf stand, dessen Ansprache in der Kabine an die Mannschaft aber emotional wichtig gewesen sei. Klopp gab auch zu, dass er in diesem Finale Glück gehabt hatte.

Champions League - FC Liverpool holt den Pokal Nach zwei verlorenen Endspielen hat Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool die Champions League gewonnen. Die "Reds" besiegten Tottenham Hotspur mit 2:0 in Madrid. © Foto: Francisco Seco/dpa

Tatsächlich war Liverpool nicht die bessere Mannschaft, hatte weniger Ballbesitz und schoss seltener aufs Tor als Tottenham (3:8). Statt eines Festes war das Spiel eher eine Enttäuschung für viele Fußballfans. Ein weiteres Spektakel wie in den Runden zuvor hatten sie ohnehin nicht erwartet. Aber dass das Finale so wenig Fußball bot, konnte keiner ahnen. Beide Mannschaften boten den Zuschauern keine einzige herausragende Aktion oder Kombination, stattdessen eine Menge Fehlpässe, Querschläger, Ballverluste, technischer Ungenauigkeiten.