Ute Groth, Jahrgang 1959, ist Architektin, seit 2007 die Vorsitzende der DJK TuSA 06 Düsseldorf und möchte sich zur ersten Präsidentin des DFB wählen lassen.

ZEIT ONLINE: Frau Groth, warum wäre es gut, wenn der DFB erstmals nach 119 Jahren von einer Frau geführt würde?

Ute Groth: Aus mehreren Gründen. Frauen und Mädchen sind im deutschen Fußball den Männern noch immer nicht gleichgestellt. Die Frauenbundesliga wird zwar finanziell unterstützt, die WM läuft im Fernsehen, aber die kleinen Vereine werden alleingelassen. Dabei sagen die Offiziellen sonntags immer, dass der Frauenfußball das zweite Standbein des DFB werden müsse.

ZEIT ONLINE: Frauenfußball fördern kann auch ein Mann.

Groth: Mag sein, doch Frauen haben im Allgemeinen ein anderes Verständnis für die Belange von Frauen. Und, damit sind wir beim zweiten Punkt, sie bringen eine andere Perspektive in ein Führungsteam.

ZEIT ONLINE: Sprechen Sie aus Erfahrung?

Groth: 2007, als ich Vorsitzende wurde, waren unsere Frauen der Männerabteilung untergeordnet. Bei den Trainingszeiten äußerten erst die Herren ihre Wünsche, dann die männlichen Jugendteams und zum Schluss die Frauen. Als ich eine Übungsleiterpauschale für den Trainer der Frauen einführen wollte, die bei den Männern seit Jahrzehnten gezahlt wurde, hieß es: Das haben wir noch nie gemacht. Heute ist das anders, für dieses Umdenken waren zehn Jahre Arbeit erforderlich.

Ute Groth © privat

ZEIT ONLINE: Ist heute in Ihrem Verein in Geschlechterfragen alles gut?

Groth: Noch nicht ganz, unsere Frauen spielen in einer höheren Liga, aber ihr Trainer bekommt weniger als der der Männer. Frauen sind nicht gleichberechtigt, fast überall im deutschen Fußball.

ZEIT ONLINE: Wieso ist es noch wichtig, dass der Fußball weiblicher wird?

Groth: Ich war die erste Frau, die in unserem Verein Führungsaufgaben übernommen hat. Inzwischen sind es mehrere, und das hat das Klima verbessert.

ZEIT ONLINE: Inwiefern?

Groth: Zwischenmenschlich. Männer konzentrieren sich mehr auf Ergebnisse, Ranglisten, Technik, sind rationaler. Frauen loben mehr, kommunizieren anders, schauen woanders hin. Ich weiß, das klingt nach Klischee, und das stimmt auch nicht in jedem Einzelfall. Aber im Allgemeinen trifft es zu. Ich will gar nicht sagen, welcher Ansatz der bessere ist, vielmehr ergänzen sich beide gut. Das gemischtgeschlechliche Team kann Leute besser mitnehmen und überzeugen. Diese Erfahrung habe ich auch beruflich im Baugewerbe gemacht, das auch männlich dominiert ist.

ZEIT ONLINE: Der DFB-Vizepräsident Rainer Koch sagt, dass das Geschlecht bei der Präsidentenwahl kein Kriterium sei. Vielleicht fehlte bislang bloß die richtige Kandidatin.

Groth: Ich habe ihn im Fernsehen gesehen und fand ihn dabei nicht überzeugend. Er musste das wohl sagen. In der Satzung des DFB steht auch, dass Männer und Frauen gleich wichtig sind. Gelebt wird das nicht.

ZEIT ONLINE: Sind Sie für eine Quote?

Groth: Nein, ich will gewählt werden, weil ich die besseren Argumente habe, und die Leute überzeugen kann.

ZEIT ONLINE: Sollten die deutschen Frauen für einen WM-Titel so viel bekommen wie die Männer?

Groth: Ja, Männer und Frauen sollten alles in einen Topf geben und dann halbieren, also die gleiche Prämie erhalten. Das wäre ein starkes Symbol, denn alle treten für unser Land an.