Aber nicht nur der Fußball hat ein Trainerinnenproblem. Auch in anderen Sportarten werden in der Spitze kaum Frauen als Coaches ausgebildet. Der Frauenanteil im Diplomtrainer-Studiengang des DOSB lag in den vergangenen zehn Jahrgängen bei schmalen 14 Prozent (170 Männer, 28 Frauen). Hier zeigt sich: je niedriger das Trainerniveau, desto höher der Frauenanteil. Dabei sind im gesamten deutschen Vereinssport knapp 40 Prozent aller Mitglieder Mädchen und Frauen, jedenfalls wenn man die Zahlen des DOSB als Grundlage nimmt.

Auch Dafni Bouzikou sieht ein strukturelles Problem im deutschen Leistungssport. Bouzikou war zwischen 1999 und 2008 Co-Trainerin bei den Bundesliga-Basketballern der Frankfurt Skyliners, wurde Deutscher Pokalsieger und Meister mit dem Team. Zuletzt war die 49-Jährige sieben Jahre Vorsitzende des Berufsverbands der Trainerinnen und Trainer im deutschen Sport. In dieser Funktion hat sie erlebt, wie wenig divers die Führungsebenen der Einzelsportverbände aufgestellt sind. "Als Frau in die Spitzenämter des deutschen Leistungssports vorzudringen, ist fast unmöglich", sagt sie. Die Attribute "verkrustet, alt, männerdominiert" fallen ihr ein, wenn sie über die Leitungsebenen des deutschen Sports Auskunft geben soll.

Was den Trainerinnenberuf betreffe, so lernten die Mädchen früh, dass Führungspositionen männlich besetzt seien: "Sportlerinnen, die ihr Leben lang nur von Männern trainiert werden, kommen überhaupt nicht erst auf die Idee, dass dies ein Berufsfeld für sie sein könnte."

Kommunikation noch nicht erforscht

Bouzikou hat in Frankfurt mit mehreren männlichen Cheftrainern zusammengearbeitet. Sie glaubt, insbesondere in gemischtgeschlechtlichen Trainerteams liege eine Chance. "Ich habe ja am eigenen Leib erlebt, wie zufriedenstellend das für alle Beteiligten war und wie sehr die Spieler diese Konstellation geschätzt haben. Die Vereine und Verbände müssen erkennen, dass darin ein Mehrwert liegt."

Reine Männer- oder auch Frauenbetreuerstäbe – für letzteres nennt sie das Turnen als Beispiel – hält sie für nicht mehr zeitgemäß. "Gerade Männern im Leistungssport tut es meines Erachtens gut, wenn ein bisschen weibliches Blut dazwischen ist. Wir sehen ja, dass Leistungssportler nach der Karriere oft psychische Probleme bekommen. Vielleicht hängt es ja damit zusammen, dass sie ausschließlich von männlicher Konkurrenz umgeben sind." Bouzikou hat deshalb einen ganz konkreten Vorschlag für die nationalen Sportverbände: Sie fordert ein männlich-weibliches Führungsduo für alle Nationalteams im deutschen Sport.

Die geschlechtsspezifische Kommunikation ist dabei das am wenigsten erforschte Terrain. Was zum Beispiel genau anders ist, wenn Frauen Männer trainieren, welche Rolle dabei das Geschlechtliche spielt, wurde bislang nicht explizit untersucht – was auch daran liegt, dass es an empirischen Beispielen fehlt. So wird das Gender-Thema fast ausschließlich aus sportsoziologischer, nicht aus sportpsychologischer Perspektive behandelt. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung, so Bouzikou, käme diese Sichtweise zu kurz: "Wir sollten zukünftig ein viel größeres Augenmerk auf die kommunikativen, psychologischen und zwischenmenschlichen Aspekte im Verhältnis zwischen Trainer/in und Athlet/in richten", sagt sie.

Die Skepsis gegenüber Trainerinnen, sie bleibt. Sie bleibt trotz der Best-Practice-Beispiele wie Dafni Bouzikou in Frankfurt. Sie bleibt trotz des vielen Nichtwissens. "Es gibt einfach keine wissenschaftliche Studie, die besagt, dass Frauen schlechtere Trainerinnen sind, auch nicht für den Fußball. Es ist nicht bewiesen, es wird aber so gelebt", sagt Gitta Axmann.

Wenn sich etwas ändern soll, so werde das ihres Erachtens nicht von unten nach oben funktionieren. "Geschlechtergerechtigkeit muss zur Chefsache erklärt werden. In den Sportverbänden müssen die Vorsitzenden und der gesamte Vorstand voll und ganz dahinterstehen. Wenn dem nicht so ist, wird sich nichts ändern." Beim DFB sei das in der Ära Theo Zwanziger der Fall gewesen – danach nicht mehr. Positiv sei, dass der DFB kürzlich eine Diversity-Management-Stelle ausgeschrieben hat. An Arbeit wird es dort kaum mangeln.

Was der Sport und der Fußball aber ganz sicher auch brauchen, sind Erfolgsgeschichten. Vielleicht kann ja Inka Grings eine solche in der niederrheinischen Provinz schreiben. Vor dem Abstieg konnte sie den SV Straelen nicht mehr retten, nun aber ist sie die Frau für den Neuaufbau. "Ich will mich im Männerbereich etablieren, ich möchte auf so hohem Level wie möglich trainieren, natürlich will ich auch irgendwann erfolgreich sein", sagt sie. Noch so eine Binse. Oder doch nicht?