Wie ging es aus?

Schweden – Deutschland 2:1
Tore: 0:1 Lina Magull (16.), 1:1 Sofia Jakobsson (22.), 2:1 Stina Blackstenius (48.)

Was ist passiert?

Deutschland ist bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Viertelfinale ausgeschieden. Gegen die Schwedinnen verloren die deutschen Frauen mit 1:2. Eine verdiente Niederlage. Wie schon bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren in den Niederlanden endet ein großes Turnier ziemlich enttäuschend.

Woran lag es?

Zum Beispiel daran, dass die allmächtige Almuth im Tor der deutschen Nationalmannschaft im französischen Rennes nicht mehr allmächtig war. Nach 381 gegentorlosen Minuten (Nachspielzeiten ausgerechnet) wurde die deutsche Torfrau Almuth Schult das erste Mal bei dieser Weltmeisterschaft bezwungen. Zu Beginn der zweiten Halbzeit setzte es dann sogar den zweiten – und leider – letzten Gegentreffer des Turniers. Selbst eine grandiose Parade von Schult konnte das unmittelbar danach per Abstauber erzielte schwedische Siegtor nicht verhindern.

Woran noch?

Der deutschen Nationalmannschaft fehlte im Angriffsspiel der richtige Kick. Bestes Beispiel: Der Freistoß in der Anfangsphase des Spiels, den Sara Däbritz zärtlich in die Arme der Torfrau lupfte. Hätte zumindest in dieser Szene Toni Kroos geholfen? Der hatte bei der Weltmeisterschaft der Männer 2018 den Schweden noch einen späten Alptraum beschert. Doch diesen träumten an diesem Abend nur die Deutschen.

Wie fiel das deutsche Tor?

Wie schon gegen Nigeria nach einem schweren Fehler des Gegners. Ein eigentlich harmloser Ball in der Spitze rutschte einer schwedischen Verteidigerin über den Schlappen. Lina Magull schloss artistisch ab, ihre Einlage ähnelte sogar einem Seitfallzieher. Dennoch erschien der Schuss nicht unhaltbar. Die schwedische Torfrau Hedvig Lindahl ließ sich irritiert vom Patzer der Kollegin ziemlich wehrlos tunneln.

Worüber diskutiert Fußballdeutschland in den kommenden Tagen?

Über den fehlenden Pep im deutschen Angriff. Alexandra Popp, beste Stürmerin des Landes, spielte nämlich über weite Strecken des Spiels im zentralen Mittelfeld. Dort erledigte sie ihren Job souverän, doch fehlte die Wolfsburgerin im Strafraum. Ihre Kolleginnen konnten sich gegen die robusten Schwedinnen nie entscheidend durchsetzen. Erst als Popp zurück in den Angriff rückte, wurde das Spiel im schwedischen Strafraum wieder spannender. Eine bittere Erkenntnis des Turniers: Die Zeiten, in denen Deutschland aus einem großen Pool an Topstürmerinnen schöpfen konnte, sind vorbei.

Auch werden Frauenfußballfans andere Wehen beklagen, zum Beispiel die Zehenschmerzen von Dzsenifer Maroszán. Deutschlands Beste spielte nach ihrem Zehenbruch in den zweiten 45 Minuten wieder, doch die Zwangspause merkte man der Offensiven an. Wie es wohl mit einer fitten Maroszán geworden wäre, werden Fußballstammtische in den kommenden Wochen ausführlich erörtern.

Und wer genau hinschaute, wird vielleicht auch über die fehlende Puste der Deutschen grübeln. Bei den französischen Wüstentemperaturen wirkten die Deutschen ermatteter als der Gegner. Schon zur Halbzeit waren zwei Wechsel ausgeschöpft. Dabei hatten die Deutschen im Turnier bisher als Laufmonsterinnen überzeugt. Waren die Akkus vielleicht leergespielt?

Was bedeutet diese Niederlage?

Den Supergau für die deutsche Fußballfrau. Denn nicht nur das WM-Halbfinale ist futsch, sondern auch die Olympischen Spiele in Tokio im nächsten Jahr. Durch das Ausscheiden im Viertelfinale wurde die Qualifikation verpasst, da drei europäische Teams im Halbfinale stehen und damit besser abschneiden als die Deutschen. Die Olympiasiegerinnen von Rio 2016 können ihren Titel also nicht verteidigen. Das ist doppelt dramatisch, weil die für den Sport so wichtige Aufmerksamkeit im Fernsehen verloren geht. Auch Einnahmenverluste sind eine schmerzliche Folge. Eine Wiedergutmachung muss noch zwei Jahre warten. Dann wird in England die EM-Endrunde ausgetragen.

Wer wird jetzt Weltmeister?

Ganz einfach: Die USA, England, die Niederlande oder Schweden. Klar ist: Die USA sind nach dem Sieg über Gastgeber Frankreich der große Favorit. Doch spätestens seit Samstagabend wissen die Schwedinnen, wie man große Titelträger ziemlich souverän ausschaltet.