Die beste Fußballerin der Welt wird nicht dabei sein. Ada Hegerberg aus Norwegen wird der WM fernbleiben, obwohl sich ihr Team qualifiziert hatte. Aber Ada Hegerberg möchte nicht mehr. Vor knapp zwei Jahren trat sie aus dem Nationalteam zurück, nachdem sie sich mit dem norwegischen Verband um Prämien gestritten hatte. Ihr passte es nicht, dass sie deutlich weniger Geld bekommen sollte als ihre männlichen Kollegen. Und deutlich weniger Wertschätzung.

Immer wenn eine Frauenfußball-WM ansteht, wird nicht nur über Sport diskutiert. Sondern auch über Gender-Pay-Gaps und Gleichstellung. Bei dieser WM wohl noch ein wenig mehr. Denn während manches Medium für die wichtigsten Fragen zur WM mal wieder rund um Schminktipps, Sekt in der Kabine und Beziehungskisten jedes sexistische Klischee bemühte, drängte es andere doch zu einer bemerkenswert ernsthaften Diskussion. 

Die deutsche Nationaltorhüterin Almuth Schult sagte vor einigen Wochen in einem FAZ- Interview: "Oft werden wir Frauen einfach vergessen." Und als jüngst ein Videoclip zur WM veröffentlicht wurde, in dem die Spielerinnen Sätze sagten wie: "Wir haben keine Eier – wir, wir haben Pferdeschwänze", ging der wohl auch deswegen viral, weil sich da jemand was traute, weil da jemand etwas einforderte, den die Sportöffentlichkeit so gut wie vergessen hatte: die Fußballerinnen eben.

Deswegen könnte diese WM besonders werden. Sie könnte entscheiden, wie es weitergeht mit dem Frauenfußball. Ob er in seiner Nische bleibt oder einen großen Schritt zu weltweiter Anerkennung macht. Ob die Spielerinnen größtenteils Halbprofis bleiben oder endlich Geld verdienen wie die Männer, oder zumindest einen Bruchteil davon. Ob Ada Hegerberg bei der Verleihung des Preises zur Weltfußballerin weiterhin gefragt wird, ob sie nicht gern mal mit dem Hintern wackeln würde, oder ob man sie fortan für ihre Tore bewundert.

Frankreich - Die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen beginnt in Paris Die Fußball-WM der Frauen in Frankreich beginnt: Im Eröffnungsspiel in Paris treffen die Gastgeberinnen auf Südkorea. Die deutschen Frauen spielen am Samstag gegen China. © Foto: Sebastian Gollnow

"Weißt du eigentlich, wie ich heiße?", so beginnt das Video mit den deutschen Frauen. Die meisten Fußballfans werden da wohl mit dem Kopf schütteln (die Lösung: Alexandra Popp). Aber das Werk war auch in anderer Hinsicht ein Symbol. Es wurde von einem Sponsor in Auftrag gegeben, nicht vom Deutschen Fußball-Bund. Während andere Nationen aufholen und der Stellenwert des Frauenfußballs dort steigt, sind nicht wenige der Meinung, dass der DFB seit Jahren bei diesem Thema tiefsten Tiefschlaf hält.

Siegfried Dietrich, 65, ist Manager beim 1. FFC Frankfurt. Das Video hat ihm Spaß gemacht, sagt er. Er nimmt den Verband in Schutz. "Der DFB nimmt den Frauenfußball sehr ernst", sagt er. Er sagt, das sei eine "realistische Einschätzung", er ist Ligasprecher der Vereine und seit mehr als 25 Jahren dabei. Ja, sagt er, der Frauenfußball "ist in Deutschland im Umbruch. Aber er hat ein unglaubliches Potenzial." Er hat eben nur seit einiger Zeit das Problem, dass der Sport in anderen Nationen größer zu sein scheint – oder besser ausgeschöpft wird. Bei den Vereinen, aber auch im Nationalteam, so scheint es.

Das hat nicht nur mit der Wertschätzung zu tun. Es hat auch strukturelle Gründe. Zum Beispiel den, dass in der ersten Liga seit geraumer Zeit die Luft raus ist. Es fehlt die Konkurrenz, der Wettbewerb, der Druck und Ansporn. Fast ein bisschen wie bei den Männern, wo sich die Meisterschaft zuletzt nur um die Bayern und ein bisschen um Dortmund drehte. 

In den vergangenen sieben Jahren machten bei den Frauen Wolfsburg und Bayern München die Meistertitel unter sich aus. "Reine Frauenfußballvereine wie wir müssen sich in der Zukunft Kooperationen überlegen. Wichtig ist, dass der Wettbewerb in der Liga breit aufgestellt ist." Bei den FFC-Frauen denkt man zum Beispiel über eine Zusammenarbeit mit Eintracht Frankfurt nach. 

Der Wettbewerb gelingt bislang nur bedingt. Und macht sich auch im Nationalteam bemerkbar: In Frankreich kommen 16 Spielerinnen aus dem Kader von traditionellen Männervereinen. "Es gab eine lange Zeit, da hat Frankfurt die meisten Nationalspielerinnen und Identifikationsgesichter des Frauenfußballs gestellt", sagt Dietrich. Dieses Jahr ist keine Spielerin aus Frankfurt dabei. "Aber wir haben viele Talente, die in Zukunft wieder eine Rolle spielen werden."