Frauen-WM - US-Fußballerin will nicht zu Donald Trump Megan Rapinoe, Vizekapitänin der US-Fußballnationalmannschaft, will im Falle eines Titelgewinns nicht ins Weiße Haus. Eine Antwort von Donald Trump folgte prompt. © Foto: Lionel Bonaventure/Getty Images

Sie hat es schon wieder getan. Tore geschossen, ja, das auch, zwei gleich gegen Spanien im Achtelfinale, aber was sind schon Tore gegen die Treffer, die Megan Rapinoe landet, wenn sie wieder geduscht ist? "I'm not going to the fucking White House", sagte sie neulich wieder in einem kleinen Video. Ein Satz, der keine Übersetzung braucht und der so drastisch ist, dass die meisten US-Medien das entscheidende Wort quasi schriftlich wegpiepen mussten. "f******" stand dann da oder "f–king" oder "f*cking".

Donald Trump entschied sich in seiner Antwort für "F...ing". Er widmete der Ansage der Stürmerin gleich drei seiner wertvollen Tweets. Rapinoe solle nicht das Land, die Flagge oder das Weiße Haus verächtlich machen. Und in seiner ganzen Großherzigkeit lud er die Frauen zu sich ein, egal ob sie gewinnen oder verlieren würden, wohl wissend, dass die eh nicht kommen. Neben Rapinoe hatten unter anderem Alex Morgan, Ali Krieger und Becky Sauerbrunn angekündigt, sich den Ausflug nach Washington zu schenken.

Nun ist davon auszugehen, dass es nicht das Gebäude ist, das die Spielerinnen stört, sondern dessen Bewohner. Als sich Barack Obama dort 2015 eingerichtet hatte, hatte Rapinoe mit dem US-Team, das gerade Weltmeister geworden war, großen Spaß im Weißen Haus. Obama wusste sogar, dass ein Farmer in Rapinoes Heimat ein Maisfeldlabyrinth in Form ihres Gesichtes angelegt hatte. "Ich dachte, ich wäre cool vor ein paar Jahren, als jemand eine Butterbüste gemacht hat, die aussah wie ich. Aber Megan hat ein ganzes Kornfeld", sagte er.

Derzeit finden die US-Fußballerinnen den Blick in ihre Hauptstadt weniger witzig. Zu weit entfernt sind ihre Welt und die von Donald Trump. Dort der Präsident, der meint, man müsse Frauen nur mal ordentlich in den Schritt greifen. Hier die Fußballerinnen, die sich für Gleichberechtigung einsetzen und sogar den eigenen Verband verklagt haben, dessen Trikot sie bei dieser WM tragen, weil er ihnen nicht ebenso viel Geld zahlt wie den deutlich erfolgloseren Männern.

Die erste weiße Person, die es Kaepernick gleichtat

Von allen, die den Mund aufmachen, ist Megan Rapinoe die lauteste. Eigentlich könnte sie ein echtes All-American Girl sein: beliebt, unterhaltsam und mit dieser stets leicht überdreht-pathetischen Form des Gewinnenwollens, die in US-Teams gerne spirit genannt wird. Nach einem ihrer Tore während der WM 2011 lief sie jubelnd zu einem dieser Puschelmikrofone am Spielfeldrand, schnappte es sich und sang Born in the USA.

Stattdessen bezeichnet Rapinoe sich selbst als "wandelnden Protest". Ihren, oder besser: den Präsidenten nannte sie einen Sexisten, engstirning, rassistisch und keinen guten Menschen. Sie war die erste amerikanische Fußballerin, die offen über ihre Homosexualität sprach. 2016 kniete sie in Solidarität mit dem Footballer Colin Kaepernick, als vor ihren Spielen die Hymne gespielt wurde. Kaepernick hatte mit dieser Geste zuvor gegen die Polizeigewalt gegen Schwarze demonstriert. Er wurde berühmt, einen Job als Footballspieler fand er nicht mehr.

Rapinoe war die erste Frau, die es ihm gleichtat. Und die erste weiße Person. "Als Homosexuelle weiß ich, was es heißt, die Flagge anzuschauen und zu wissen, dass sie meine Freiheiten einschränkt", sagte Rapinoe und musste einiges einstecken. Sich während der Hymne nicht anständig zu verhalten, gilt in den patriotischen USA als einer der schlimmstmöglichen Frevel.

Sie singt die Hymne nicht

Mit ihrer Schwester Rachael bot sie ein Trainingslager für Mädchen an. Viele Anmeldungen seien damals wieder gecancelt worden, erzählte Rachael einmal Yahoo Sports, und selbst das Steakhaus in ihrem Heimatort im nördlichen Kalifornien entschied sich, die Rapinoe-Bilder von der Wand zu nehmen, weil sich ein Gast beschwert hatte.

"Es war nicht einfach für mich", sagte Rapinoe über diese Zeit. "Aber das sollte es auch nicht sein. Wann immer du versuchst, jemandem zu helfen, und es ist für dich total einfach und bequem, dann hilfst du nicht." Der US-Verband verbot ihr später das Knien, bei dieser WM protestiert sie nun auf eine andere Weise: Sie singt die Hymne nicht. Wer in den USA nicht beim Singen ergriffen die Hand aufs Herz legt, gilt eigentlich nicht als echter Amerikaner. Mitsingen, so sagte sie mal, werde sie erst wieder, wenn es eine Justizreform gibt, wenn die Ungleichheit in ihrem Heimatland sich verbessert, wenn sie Fortschritte in den Rechten von LGBTQ-Leuten sieht.