Michel Platini ist in der Nacht wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden. Zuvor war der ehemalige Uefa-Präsident mehrere Stunden lang zur Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar verhört worden. Der 63-jährige Franzose verließ am frühen Morgen das Hauptquartier der Antikorruptionseinheit der Kriminalpolizei in der Pariser Vorstadt Nanterre. "Das war lang", sagte der einstige Weltklassefußballer. Dass er in Polizeigewahrsam genommen worden sei, tue "weh".

Platinis Anwalt William Bourdon sprach von "viel, viel Lärm um nichts". Der frühere Kapitän der französischen Nationalmannschaft habe den Polizeigewahrsam als "ungerecht und unverhältnismäßig" wahrgenommen. Die Vorwürfe seien haltlos, sagte der Anwalt.

Im Zuge der Ermittlungen zu den Umständen der WM-Vergabe an Katar war Platini am Dienstag in Gewahrsam genommen worden. Das Golfemirat Katar hatte sich im Dezember 2010 bei der Vergabe der WM durch den Weltfußballverband Fifa überraschend gegen den Mitbewerber USA durchgesetzt. Unmittelbar nach der Entscheidung waren Bestechungs- und Vertuschungsvorwürfe laut geworden.

Der später gestürzte Fifa-Präsident Sepp Blatter beschuldigte Platini und den französischen Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy, die WM-Vergabe an Katar durchgesetzt zu haben. Die französische Finanzstaatsanwaltschaft leitete 2016 vorläufige Ermittlungen unter anderem wegen Korruption und der Bildung einer kriminellen Vereinigung ein. Untersucht wird die Doppelvergabe der Fußballweltmeisterschaft 2012 an Russland und des Wettbewerbs 2022 an Katar. Das Emirat weist bis heute alle Vorwürfe zurück.

Der Sportartikelhersteller Adidas sieht unterdessen einem Bericht zufolge keinen Grund, nach Platinis Gewahrsamnahme Konsequenzen in Bezug auf Sponsoringverträge zu ziehen. "Wir haben eine sehr klare Meinung: Wenn bei einem Verband ein Rechtsbruch stattfindet, werden wir uns damit auseinandersetzen", sagte Adidas-Chef Kasper Rorsted in einem Gespräch mit der Welt. Der Sportartikelhersteller gehört zu den Hauptsponsoren des Weltverbandes Fifa, der Europäischen Fußball-Union Uefa sowie von WM- und EM-Turnieren. Bisher sehe er keinen formalen Grund, eine Beendigung des Vertrages voranzutreiben, sagte Rorstedt der Zeitung. Natürlich mache sich die Firma auch Gedanken um den Ruf. Als "Sportfirma, die im Fußball" geboren wurde, müsse man jedoch einen Weg finden, im "wichtigsten Sport der Welt" aktiv zu bleiben.