Jubel in Italien! Mailand wird 2026 Gastgeber der Olympischen und Paralympischen Winterspiele, gemeinsam mit Cortina d'Ampezzo, wo bereits 1956 die Spiele stattfanden. Einen Verlierer gibt es auch, Stockholm. Gerade mal einen, muss man sagen, denn die Winterspiele 2002 wollten noch neun Städte austragen. Damals musste das Internationale Olympische Komitee (IOC) vor der Wahl sogar fünf streichen. Für die Sommerspiele 2004 und 2008 bewarben sich sogar elf und zehn Orte.

An den Spielen 2026 hatten zwar zwischenzeitlich auch Graubünden, Graz, Sion, Sapporo, Calgary und Innsbruck Interesse, doch zu einer Bewerbung konnten sich die wintersportverrückten Nationen Österreich, Schweiz und Kanada nicht durchringen. Oder sie scheiterten vorher bei Referenden.

Das IOC ließ den beiden aktuellen Anwärtern sogar durchgehen, dass sie ungewiss finanziert sind und auch sonst nicht alle Kriterien des strengen Katalogs erfüllen. In Stockholm gab es Widerstand in der Politik, und aus Kostengründen sollte das Nachbarland Lettland eingebunden werden. Mailand hingegen liegt vom norditalienischen Skigebiet Cortina mehr als 400 Kilometer entfernt, außerdem gelten die Winterspiele von Turin 2006 als emotionaler Tiefpunkt der Olympia-Historie. Wenigstens, wird sich das IOC sagen, haben beide Bewerber nicht ihr Volk verbindlich befragt.

Früher riss sich die halbe Welt um Olympia. Heute ist das IOC froh, wenn es zwei Kandidaten findet, von denen am Ende der gewinnt, den es weniger durchschleppen musste. Schon die letzten beiden Sommerspiele, die wesentlich bedeutender sind, auch innerhalb des IOC, vergab das Komitee ohne Wahl an einem Tag an die beiden einzigen Interessenten Paris (2024) und Los Angeles (2028).

IOC - Olympische Winterspiele 2026 in Mailand Entscheidend für die Vergabe war die hohe Zustimmung der mailändischen Bevölkerung. 83 Prozent sprachen sich dafür aus und hoffen auf Arbeitsplätze und Infrastruktur. © Foto: Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

Womöglich nicht nur Sonntagsreden

Wer will noch mal, wer hat noch nicht? Diesen Trend beobachtet man seit Jahren, auch München und Hamburg mussten zuletzt passen, weil die Bevölkerung die Megaevents ablehnte. Die fünf Ringe sind ein Ladenhüter geworden, besser als mit der neuen Gleichgültigkeit lässt sich die Krise Olympias kaum belegen.

Man muss fairerweise sagen, dass die Botschaft beim IOC längst angekommen ist. Seit Jahren versucht Thomas Bach, der Präsident des IOC, mit der Agenda 2020 entgegenzusteuern. Auch am Montag waren in Lausanne oft die Begriffe Nachhaltigkeit, Solidität, Maßhalten und Klimapositivität zu hören, und womöglich waren es nicht ausschließlich Sonntagsreden.

Doch die Skepsis einer immer kritischeren Öffentlichkeit gegen Sportverbände ist gewachsen. Sie hat verschiedene Gründe, der gewichtigste ist der Preis für den ganzen Spaß. Die Gastgeber müssen oft gewaltig in die Infrastruktur investieren. Die Spiele von Sotschi 2014 etwa haben rund 51 Milliarden Dollar gekostet. Auch Tokio 2020 wird sehr viel teurer als geplant. In Mailand und Cortina sollen großteils bestehende Anlagen genutzt werden, doch rechnen Experten damit, dass zum Beispiel die Bobbahn für viel Geld renoviert werden muss.

Meist kommt die Steuerzahlerin für die Kosten auf, weil das IOC die Risiken ungerecht verteilt. Mailand bekam den Zuschlag vielleicht auch, weil es mehr staatliche Zuschüsse garantierte als sein Konkurrent – trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage Italiens.