Bitter für die Ägypter: Wenn an diesem Freitag Algerien gegen Senegal im Finale des Afrika-Cups in Kairo spielen, sind sie nur noch Gastgeber. Das Team um Mo Salah flog im Achtelfinale gegen Südafrika raus, erstmals seit Langem wieder vor 75.000 eigenen Fans, die seit der Stadionkatastrophe von Port Said 2012 von allen Fußballspielen ausgesperrt waren. Für das wichtigste Turnier Afrikas machten die Militärs aber eine Ausnahme.

Nach dem Ausscheiden wurde der Trainer gefeuert, der Verbandspräsident und fast die gesamte Führung trat zurück; viele Fans sind weiterhin in der Fundamentalopposition zum Militärregime von Abdel Fattah al-Sissi.

Chinas Deals

Dabei begann das Turnier mit einem Geschenk. Huawei kündigte an, den höchsten Mobilfunkstandard 5G in Ägypten auszurollen – schnelleres Internet in Nordafrika als in Europa und Nordamerika. Den größten Nutzen davon erhoffte sich, wie so oft in der Geschichte Afrikas, der Überbringer.

Es war China, die Nation, die mehr als jedes andere Land den Fußball zur Außenpolitik nutzt. Wohl auf keinem anderen Kontinent ist das chinesische Engagement so groß wie in Afrika. Der Afrika-Cup ist alle zwei Jahre ein Anlass für einen Deal. Dem Gastgeber von 2017, Gabun, schenkte China zwei Stadien und gab günstige Kredite für zwei weitere. 2010, in Angola, bauten die Chinesen gleich alle Stadien, was mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar kostete. 2008 bekam Ghana günstige Kredite.

Es scheint ein Muster zu geben, sagt Simon Chadwick, Professor für Sportbusiness mit dem Schwerpunkt Geopolitik an der Universität Salford: "Da ist eine afrikanische Nation mit natürlichen Ressourcen, meist Öl oder wertvollen und seltenen Metallen. China schenkt Stadien und erhält im Gegenzug bevorzugten Zugang." Das sei die Grundlage für strategische Kooperationen.

Huawei und die Vorwürfe

Ägypten hatte die Ausrichtung des Turniers im vergangenen November von Kamerun übernommen, weil der Kontinentalverband CAF mit der Organisation nicht zufrieden war. Die Chinesen waren auch in Kamerun engagiert und schnell fanden sie in Ägypten einen Weg. 5G bot die Möglichkeit, sich als Freund des Kontinents zu zeigen. Ein Fußballfunktionär aus Kenia sagte, China werde mit seiner Politik dem afrikanischen Fußball weitaus mehr helfen als die Europäer.

Die Ägypter sind bei Huawei nicht so skeptisch wie Donald Trump, der das chinesische Unternehmen aus den USA verbannt hat. Mehrfach warnten die USA afrikanische Länder vor dem chinesischen Netzanbieter. Auch ein Abteilungsleiter im deutschen Innenministerium sagt über Huawei, man müsse damit rechnen, dass China Spionagesoftware einbaue. "Afrika ist in einen Handelskrieg geraten, an dem sie nicht teilnehmen sollten, weil sie nichts zu gewinnen haben", sagt ein französischer Ökonom über die Fußballpolitik der Chinesen. Tatsächlich gibt es Risiken.