Der alte Anti-Doping-Kampf sah so aus: Für Kontrollen bei Wettkämpfen wurde viel Geld ausgegeben. In kleinen Containern gaben die Athletinnen und Athleten Urinproben ab. Überführt wurden die wenigsten. Das war, als setze man im Kampf gegen Drogenhandel darauf, einzelne Süchtige aufzuspüren. Spätestens seit Montagabend aber ist einiges anders.

In 33 Ländern gingen Polizisten gegen den Handel mit Steroiden vor. 234 Verdächtige haben sie festgenommen, 17 kriminelle Gruppen zerschlagen und fast vier Millionen Dopingpräparate und gefälschte Dokumente sichergestellt. In ganz Europa wurden 800 Strafverfahren eingeleitet, die meisten davon in Deutschland. "Das ist schon eine neue Größenordnung", sagt Fritz Sörgel, einer der bekanntesten deutschen Dopingforscher.

Die Dopingermittlungen haben sich, das haben die vergangenen Monate gezeigt, auf eine andere Ebene verlagert. Der Staat wird aktiv. Polizeibehörden arbeiten grenzübergreifend zusammen, um Dopingnetze zu enttarnen. Dafür wenden sie Methoden an, die man bislang hauptsächlich von Drogenrazzien kannte: Sie beschatten Sportler, hören Telefonate ab, durchsuchen Zimmer. So war das bei der Operation Aderlass, bei der durch die Zusammenarbeit österreichischer und deutscher Behörden mindestens 21 Sportler als Kunden des Dopingarztes Mark Schmidt aufflogen. Und so war es vermutlich auch bei der Operation Viribus, der bislang größten Anti-Doping-Razzia.

24 Tonnen Anabolika beschlagnahmt

"Wenn man die Strukturen und Wege des Dopinghandels aufspüren will, muss man solche Aktionen durchführen, wie es hier der Fall war", sagt Sörgel. Die Behörden nutzen offenbar vermehrt ihre Befugnisse, um gegen die Vertreiber von Dopingmitteln vorzugehen. Ermöglicht werden Operationen wie Aderlass oder Viribus aber erst durch die Anti-Doping-Gesetze in mehreren Ländern. Seit Ende 2015 gibt es so ein Gesetz in Deutschland. Vermutlich ist es auch kein Wunder, dass die Operation Viribus von Italien (gemeinsam mit Griechenland) initiiert wurde. Seit 2000 gilt dort das weltweit strengste Anti-Doping-Gesetz.

Von der Razzia sind noch nicht alle Einzelheiten bekannt, vermutlich betrifft sie hauptsächlich den Freizeitsport. "Die Wahrscheinlichkeit ist groß", sagte Ruth Haliti, die Sprecherin des Kölner Zollkriminalamtes, der Deutschen Presse-Agentur. Öffentlich diskutiert werden oft Fälle von Doping im Profisport. Viel häufiger dopen aber zum Beispiel Bodybuilder in Fitnessstudios. Der Wunsch nach dem perfekten Körper lässt viele Hobbysportler zu Pillen oder Spritzen greifen. In den vergangenen 20 Jahren ist der Handel mit Anabolika stark gewachsen. Das Steroidpulver, von dem nun 24 Tonnen beschlagnahmt wurden, gelangt über Asien oder Osteuropa nach Deutschland und wird dort zu Tabletten oder Injektionslösungen verarbeitet.