Anabolika aber sind kein reines Problem der Bodybuilder mehr. Auch andere Freizeitsportler nehmen kleinere Dosierungen ein, obwohl sie wissen müssten, wie gefährlich die Mittel sind. Anabolika schädigen die Organe und machen süchtig. "Wenn jemand über Jahre Anabolika einnimmt, kann man davon ausgehen, dass irgendwann Herz oder Leber nicht mehr funktionieren", sagt Sörgel.

Dass der Konsum von Anabolika trotzdem seit Jahren steigt, liegt zum einen an der Verfügbarkeit. Verbotene Präparate oder verschreibungspflichtige Medikamente kann heute jeder über illegale Onlineapotheken bestellen. "Wenn sie es wirklich drauf anlegen, bekommen sie heute eigentlich fast jedes Medikament", sagt Sörgel. Viele Sportler versuchen zudem, die eigene Belastungsgrenze durch die Einnahme von Schmerzmitteln nach hinten zu verschieben. "Im juristischen Sinn ist das zwar kein Doping", sagt Sörgel, es sei aber nicht minder gefährlich. "Die Sportler nehmen verschiedene Mittel und wenn diese nicht die erhoffte Wirkung erzielen, nehmen sie mehr." Zum Beispiel Anabolika.

Wenn die Quelle versiegt

Ob auch der Profisport von der Operation Viribus betroffen ist, ist noch unklar. Über 1.300 Urin- und Bluttests haben die Ermittler mit Hilfe der Welt-Anti-Doping-Agentur durchgeführt. Die Zahl ist so hoch, dass die meisten dieser Proben wahrscheinlich nicht von Spitzenathleten genommen wurden. Viribus könnte sich aber auch auf den Profisport auswirken, wenn beispielsweise die Quelle für Medikamente zumindest für kurze Zeit versiegt.

Der Handel mit Anabolika hat in jedem Fall den bislang schwersten Schlag hinnehmen müssen. Wie sehr sich die Razzia nun darauf auswirkt, wo und wie Anabolikapräparate verfügbar sind, weiß niemand. Ebenso wenig, wie viel überhaupt produziert wird. Sörgel hält es für möglich, dass einige Produzenten schon mit Konfiszierungen kalkuliert haben – das wäre eine weitere Parallele zum Drogenhandel, mit dem Sörgel das Dopinggeschäft mit gern vergleicht. Er sagt: "Jetzt haben wir den Beweis, dass es wirklich so läuft."