Nimmt man es genau mit der Bedeutung von Sportidolen, hat Cori Gauff seit einigen Tagen ein Problem. Am Montag schlug sie in der ersten Runde von Wimbledon Venus Williams glatt in zwei Sätzen. Es war der größte Sieg ihrer noch kurzen Karriere. Doch Williams war ihr Idol, also der Mensch, dem sie stundenlang zugeschaut hatte. Für die meisten bleiben Sportidole immer unerreicht. Gauff hat es besiegt. Mit 15.

"Ich konnte gegen meine Heldin spielen", sagte sie danach, und dann noch: "Ich war nicht überrascht, dass ich gewonnen habe." Dabei ist es eine Sensation. Cori Gauff ist die jüngste Siegerin eines Matches in Wimbledon seit 1991. Es war ihr erstes Grand-Slam-Spiel überhaupt.

Zwei Tage danach warf sie die Halbfinalistin von 2017, Magdaléna Rybáriková, ebenfalls in zwei Sätzen und noch etwas humorloser aus dem Turnier. Am Freitag spielt sie gegen Polona Hercog um den Einzug ins Achtelfinale. Spricht man in diesen Tagen über das bedeutendste Tennisturnier der Welt, spricht man über Gauff. Vor zwei Wochen wurde sie gefragt, ob sie Lust hätte, eine der Wildcards für das Qualifikationsturnier anzunehmen. Sie hatte Lust. Nach drei Siegen stand sie plötzlich in der Hauptrunde gegen Williams auf dem Feld. Und doch kommen ihre Siege nicht ganz überraschend. Dieses Märchen war lange vorbereitet.

Vielleicht muss man zurückgehen ins Jahr 2004, als Venus Williams schon vier Grand-Slam-Titel gewonnen hatte, zweimal den von Wimbledon. Da wird Cori Gauff geboren, in Atlanta, Georgia. Schon bald kommen die Williams-Schwestern ins Spiel. Mit ihnen fing alles an. Der Vater, Corey, ein früherer Basketballer, soll 2009 nach dem zehnten Grand-Slam-Sieg von Serena vor dem Fernseher gesessen und laut und deutlich gesagt haben: "Sie ist die Größte aller Zeiten." Als seine Tochter wissen wollte, was das bedeute, und er es ihr erklärt hatte, sagte sie: "Das will ich auch werden."

Ihre beiden Idole tragen den gleichen Nachnamen

Es ist eine sehr amerikanische Sportgeschichte, die das Frauentennis gerade erobert. Wie die Williams-Schwestern einst nach Kalifornien gingen, um nach ganz oben zu kommen, zogen Gauffs Eltern von Atlanta nach Miami, um ihrem Kind bessere Trainingsbedingungen zu bieten. Der Vater ist Papa und Trainer in einem, auch das schaute er sich bei den Williams-Schwestern ab. Er sagt Sätze wie: "Sei dein bester Freund da draußen, schenke deinem Gegner nichts." Als Gauff elf Jahre alt war, trainierte sie mit dem Trainer von Serena.

Zunächst schickten die Eltern – die Mutter ist eine frühere Leichtathletin – die Tochter zu anderen Sportarten, die ein junges Mädchen in den USA eben so kennenlernt: Fußball, Leichtathletik, Cheerleading. Doch Tennis gefiel ihr am besten, wegen der Williams-Schwestern. Serena und Venus stiegen in dieser Zeit zu den ersten schwarzen Tennisgranden auf. Ein Foto zeigt Cori Gauff neben einem Poster von Serena. Gauff sagte nach dem Sieg über Venus: "Ohne sie wäre ich nicht hier."

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