Ihr Vater erzählt in diesen Tagen eine Anekdote nach der anderen. Zum Beispiel, dass seine Tochter einmal in einem Match 0:6 und 0:5 hinten lag, nur Sekunden von der Niederlage entfernt. Am Ende gewann sie doch und als der Vater sie fragte, was passiert sei, soll sie geantwortet haben: "Ich wollte einfach nicht verlieren."

Würde man ihre Aussagen lesen, ohne zu wissen, von wem sie stammen, man würde auf eine verdiente Tennislegende tippen, die in einem langen Karriereinterview das Geheimnis ihrer 25-jährigen Erfolgslaufbahn preisgibt: "Ich glaube, die Leute beschränken sich selbst zu sehr." Oder: "Ich mag es, mir das größte Ziel zu setzen, die Beste zu werden, dann habe ich auf dem Weg dahin noch viele Ziele zu erreichen. Man muss groß denken, um Großes zu erreichen." Man muss es vielleicht noch mal schreiben: Sie ist 15 Jahre alt. 

Wie bei Zverev

Sie steht auch für einen bestimmten Typ Tennisspieler. Karrieren kommen nicht mehr durch eine zufällige Begegnung oder einen Haufen Glück zustande, sondern weil sie so geplant waren. Auch der Deutsche Alexander Zverev wurde ähnlich ausgebildet und gefördert. Wie Zverevs Eltern kennen auch die von Gauff die Mühen des Leistungssports, weil sie es selbst erlebt haben. Auch die Nachrichten über die beiden ähneln sich: Als Zverev im Juni 2016 Roger Federer besiegte, wurde er als kommende Nummer eins gehandelt. Dort war er noch nicht, aber auch er ist gerade mal 22 Jahre alt. Über Gauff heißt es nun, sie könnte die jüngste Grand-Slam-Siegerin aller Zeiten werden. Oder die nächste Steffi Graf.

Sie steht schon bei zwei großen Sponsoren unter Vertrag, vermarktet wird sie von der Firma, die Roger Federer zusammen mit dem Sportmanager Tony Godsick gegründet hat. Es ist die wichtigste Adresse im Tennis. "Alles fügt sich nun zusammen, das ist der Beginn ihrer Profikarriere", sagte ihre Mutter nach dem Sieg gegen Williams. Es gibt schlimmere Einstiege ins Profileben.

Sogar Serena Williams schaltete am vergangenen Montag ein, was sie normalerweise bei den Matches ihrer Schwester nicht macht, weil sie zu nervös ist. Dann sagte sie: "Ich fühle mich ehrlicherweise geehrt, dass ich mal an ihrer Wand hing. Bald wird sie auch an den Wänden anderer Mädchen zu sehen sein."