Er liebt mich, er liebt mich nicht. Die Bayern zupfen seit einiger Zeit die Blätter von Gänseblümchen, um sich orakeln zu lassen, ob Leroy Sané zu ihnen wechselt. Der deutsche Jungstar wartet ab, was man in Manchester mit ihm vorhat. München wäre für ihn die zweite Wahl, weswegen die Chancen der Bayern wohl nicht sehr viel höher als bei fünfzig Prozent liegen dürften.

Auch an Rodrigo von Atlético Madrid zeigten die Bayern wohl Interesse. Doch der starke spanische Mittelfeldspieler bevorzugte Manchester City. Und der Flügelstürmer Callum Hudson-Odoi, der aus München seit Monaten umworben wird, bleibt vielleicht doch bei Chelsea.

"Wenn Sie wüssten, wen wir schon alles sicher haben!" Mit diesen Worten hatte Uli Hoeneß im Februar eine übliche bayerische Transferoffensive angedeutet. Doch nach den Einkäufen der zwei französischen Weltmeister Benjamin Pavard, der mit Stuttgart abstieg, und Lucas Hernández, der verletzt anreiste, sowie Jann-Fiete Arp, der beim HSV nicht mal in der Zweiten Liga regelmäßig spielte, passiert nicht viel in München.

Beim FC Bayern stellt man gerade fest: Die Spieler, die er bekommen könnte, braucht er nicht unbedingt. Und die Spieler, die er braucht, wollen nicht.

Madrid und Dortmund gehen shoppen, doch was ist los in München? Darüber staunt Fußballdeutschland und darüber spricht man auch beim FCB. Vorige Woche sagte Thomas Kroth, der Berater des Bayern-Kapitäns Manuel Neuer, der Süddeutschen Zeitung, der Kader sei "noch nicht konkurrenzfähig" und müsse verstärkt werden. Falls das geschehe, würde Neuer "noch mal richtig aufblühen". Falls nicht, so ist Kroth wohl zu verstehen, ist mit Verwelkung zu rechnen, womöglich gar mit einem Ortswechsel, wo das sensible Gewächs Neuer mehr Licht erwartet.

Antrag auf eine Kleinfeldmannschaft?

Zwar will Karl-Heinz Rummenigge in einem Telefonat mit Neuer entsprechende Irritationen ausgeräumt haben. "Es handelt sich um eine rein private Meinung von Thomas Kroth", sagte der Bayern-Vorstand auf einer Pressekonferenz am Montag. "Ich fand sie etwas eigenartig." Etwas, nicht völlig, und Rummenigge fügte hinzu: "Wir hoffen auf einen Dominoeffekt, dann werden viele Transfers folgen." Eine ungewohnt bescheidene Aussage, der Verein ist demnach darauf angewiesen, was woanders geschieht.

Auch der Trainer hat sich über den recht leeren Einkaufswagen geäußert. In einem Interview mit dem Kicker forderte Niko Kovač jüngst vier neue Spieler. Den Trainingsauftakt am Montag bestritt er mit nur acht Profis. Die Mittdreißiger Arjen Robben, Franck Ribéry und Rafinha haben den Verein verlassen, ebenso Mats Hummels und James Rodríguez. So bleiben Kovač gerade mal siebzehn Feldspieler – von denen einer, Renato Sanches, weg will, und ein anderer, Jérôme Boateng, weg soll, wenn das Wort seines Freunds Uli Hoeneß noch gilt. Auf dem aktuellen Mannschaftsfoto wäre viel Platz.

Manch Kreisligaverein würde in einem solchen Fall einen Antrag auf eine Kleinfeldmannschaft stellen oder eine Spielvereinigung mit dem Nachbardorf gründen. Für den FC Bayern, der in drei Wettbewerben Titel gewinnen will, scheiden diese Optionen sicher aus.