Da sind weitere Indizien, die nicht auf eine neue Zurückhaltung Hoeneß' schließen lassen. Im Februar kündigte er eine große Transferoffensive an, die er bislang schuldig blieb. Im April begrenzte er Salihamidžić' Budgethoheit auf die Portokasse. Im Mai legte er Jérôme Boateng nahe, den Verein zu verlassen. David Alaba und andere Spieler reagierten nun überrumpelt und schockiert, als sie vom Hoeneß-Abschied erfuhren. Wenn Hoeneß wirklich loslassen wollte, käme dies sehr plötzlich.

Vor allem ist da ein Fakt, auf den die Anhängerinnen und Anhänger der Variante C verweisen können: Hoeneß hat erst im Herbst seine Laufzeit als Aufsichtsratsvorsitzender der Bayern München AG verlängern lassen, die regulär 2022 endet. Ein Rückzug drei Jahre zuvor passt nicht zu demjenigen, der den FC Bayern vier Jahrzehnte lang wie ein Eigentümer führte.

Schwer vorstellbar auch, dass der zweite Teil der Bild-Story zu einem lange geplanten Hoeneß-Rückzug passt. Demnach soll Herbert Hainer sein Wunschnachfolger sein. Der Ex-CEO von adidas ist zwar ein Mann mit Erfahrung und Reputation, aber ohne Machtambition. So hielt er zwei Jahre den Platz im Aufsichtsrat frei und räumte ihn wie vorgesehen, als Hoeneß aus Landsberg zurückkehrte. Nicht zuletzt ist Hainer 65 und insbesondere: kein Fußballer. In so jemandem soll Hoeneß die große Zukunft seiner Herzenssache sehen?

Ein Schuss von hinten

Nicht ausgeschlossen, dass Hainer für seinen Handschlagfreund Hoeneß unvorhergesehen in die Bresche springt und man die wahren Gründe für Hoeneß' Rückzug noch nicht kennt. Ein Missing Link in der Informationskette.

Mutmaßungen, Spekulationen, Rätsel – doch die Meldung der Bild-Zeitung enthält auch eine neue Botschaft, die für den FC Bayern fast noch dramatischer ist als der Rücktritt selbst: Es war nicht Hoeneß, der ihn verkündete. Dabei wäre er auch in diesem Fall bestimmt gerne der Handelnde in eigener Sache gewesen. Die durchgesteckte Info, wie man in der Medienwelt so sagt, noch dazu an die Springer-Presse, mit der Hoeneß im Clinch lag, war offenkundig ein Akt der Illoyalität, ein Streifschuss von hinten, aus eigenen Reihen. Ein Hinweis auf auch internen Machtverlust.

Vielleicht geht es beim FC Bayern, den er als Spieler und speziell als führungsstarker und wirtschaftskompetenter Manager zur Weltmarke geformt hat, also nicht mehr nach Uli Hoeneß. Für Kovač und Salihamidžić, die auf dessen Schutz angewiesen sind, war die Nachricht jedenfalls keine gute. Für Hoeneß erst recht nicht, über ihn wird nun viel geredet werden. Und er muss ein Leck suchen und stopfen. Der FC Bayern ist inzwischen sogar mit Hoeneß ein anderer Verein.