Das von der Europäischen Union geplante Verbot von Mikroplastik gefährdet den Fortbestand von Kunstrasenplätzen Tausender Amateurvereine. "Als Sportminister werbe ich für einen vernünftigen Ausgleich zwischen Umweltschutz und den berechtigten Interessen des Sports", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer der Welt am Sonntag. "Viele Tausend Sportanlagen in deutschen Kommunen wären sonst von der Schließung bedroht."

Kunstrasenplätze geben offenbar viel Mikroplastik an die Umwelt ab, ein als Füllmaterial verwendetes Gummi-Granulat soll ab 2022 nicht mehr zulässig sein. Seehofer und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wollen sich demnach für eine Übergangsfrist von sechs Jahren für bestehende Plätze einsetzen. Bereits in der vergangenen Woche hatte Seehofer in einem Brief an Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) für eine Übergangsfrist geworben. Es erschließe sich ihm nicht, warum "der Schaden eines Verbleibs" der bestehenden Plätze "höher sein sollte als der Gewinn, der durch die weitere Nutzung entsteht."

Laut DFB gibt es in Deutschland derzeit 5.000 Kunstrasenplätze. "Wenn es wirklich darauf hinauslaufen sollte, dass es bald keine Kunstrasenplätze mehr gibt, wäre das für viele Vereine sicher der Genickbruch", sagte der ehemalige Fußballprofi Mike Rietpietsch.

Plastikmüll zerstört den Lebensraum vieler Arten und ist aufgrund seiner giftigen Inhaltsstoffe für die Gesundheit von Mensch und Tier gefährlich. Jährlich gelangen ungefähr acht Millionen Tonnen Plastik in die Ozeane. Das entspricht etwa einer Müllwagenladung pro Minute. Problematisch sind besonders nicht recycelbare Plastikgemische und Mikroplastik, das sich von vielen synthetischen Kleidungsstücken ablöst und immer noch in zahlreichen Kosmetikprodukten zu finden ist.