Der ehemalig Gouverneur von Rio de Janeiro, Sérgio Cabral, hat erstmals die Zahlung von Bestechungsgeld bei der Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele 2016 eingeräumt. Er habe für etwa zwei Millionen US-Dollar Stimmen gekauft, um die Spiele für Rio zu sichern, sagte Cabral bei einer Gerichtsanhörung. Der damalige Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sei nicht direkt in die Korruption verwickelt gewesen, er habe aber davon gewusst.

Gemeinsam mit dem Olympia-Organisationschef Carlos Arthur Nuzman und dem brasilianischen Unternehmer Arthur César Soares de Menezes Filho habe er vor der entscheidenden Abstimmung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) 2009 die Stimmen mehrerer IOC-Mitglieder gekauft, sagte Cabral.

Um die Abstimmung im Jahr 2009 über die Vergabe des Austragungsortes für die Olympischen Sommerspiele zu beeinflussen, erhielten Cabral zufolge unter anderem Serhij Bubka, der Vorsitzende des Nationalen Olympischen Komitees der Ukraine, und der russische Schwimmer Alexander Popow Geld. Bei den Zahlungen geholfen haben sollen der langjährige Chef des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF und IOC-Mitglied Lamine Diack und sein Sohn. Der brasilianischen Unternehmer Soares habe das Geld an Diacks Sohn, Papa Massata Diack, überwiesen. Bubka dementierte Cabrals Aussagen auf Twitter. "Ich lehne alle falschen Behauptungen des früheren Gouverneurs von Rio de Janeiro ab", teilte er mit. Auch Popow versicherte, er habe kein Geld erhalten.

Cabral ist als einer der korruptesten Politiker Brasiliens bekannt. Seit 2016 ist er im Gefängnis. In mehreren Verfahren wurde er wegen Bestechung, Geldwäsche und der Bildung einer kriminellen Vereinigung zu insgesamt 198 Jahren Haft verurteilt.

Bei der Abstimmung um die Vergabe der Austragungsrechte für die Olympischen Spiele hatte sich Rio den Janeiro 2009 gegen die Mitbewerber Madrid, Chicago und Tokio durchgesetzt.