Der niederländische Radrennfahrer Mike Teunissen hat die erste Etappe der Tour de France 2019 gewonnen. Im Zielsprint in Belgiens Hauptstadt Brüssel setzte er sich hauchdünn gegen Ex-Weltmeister Peter Sagan durch und ist damit auch erster Gesamtführender der Rundfahrt. Dritter wurde der Australier Caleb Ewan. Die Favoriten um Vorjahres-Gesamtsieger Geraint Thomas hielten sich auf dem ersten, 194,5 Kilometer langen Teilstück erwartungsgemäß zurück und erreichten mit dem Hauptfeld das Ziel. Die 106. Ausgabe der Frankreich-Rundfahrt dauert rund drei Wochen und ist insgesamt 3.480 Kilometer lang.

Zum Auftakt der Rundfahrt im Nachbarland säumten Hunderttausende Radsportfans die Strecke, zum Teil in Zehnerreihen. Sie feierten die Tour- und Radsport-Legende Eddy Merckx. Ihm zu Ehren ist die diesjährige Tour zunächst zu Gast in Belgien: Der 74-Jährige, der vor 50 Jahren den ersten seiner fünf Toursiege feierte, wurde von den Landsleuten schon beim Start auf der Place Royale begeistert bejubelt. Dann stieg er als Ehrengast zu Tourdirektor Christian Prudhomme in den Wagen.

Wieder viele Stürze zum Auftakt

Wie in den Vorjahren kam es auch beim diesjährigen Tourauftakt zu heftigen Stürzen. 1,3 Kilometer vor dem Ziel erwischte es die deutsche Rundfahrthoffnung Emanuel Buchmann und Sprintstar Dylan Groenewegen, der als großer Favorit auf den ersten Sieg gegolten hatte. Buchmann erreichte mit blutiger Lippe das Ziel. Auch Mitfavorit Jakob Fuglsang war vorher schon zu Boden gegangen. Mit blutigen Wunden schaffte es der Däne aber zurück ins Hauptfeld.

"Es war klar, dass es wieder knallt", sagte der deutsche Profi Nils Politt, der heil ins Ziel kam. Im Finish wurde Sagan noch kurz vor dem Zielstrich von Teunissen überholt. "Ich habe mich gut gefühlt und war in einer guten Position. Ich wusste erst gar nicht, dass Dylan gestürzt war. Es war ein seltsamer Tag", sagte Teunissen, der eigentlich den Sprint für Groenewegen anziehen sollte.

Die deutschen Sprinterfestspiele sind in diesem Jahr zumindest unterbrochen: Deutschlands Rekord-Etappengewinner Marcel Kittel hat sich eine persönliche Auszeit genommen, der zweimalige Giro-Etappengewinner Pascal Ackermann und Klassikerspezialist John Degenkolb wurden nicht nominiert. Altstar André Greipel ist nach einer langwierigen Bakterienerkrankung aktuell kein Anwärter auf Tagessiege.

Mannschaftszeitfahren als erster Gradmesser

Schon am Sonntag dürfte das Gesamtklassement beim 27,6 Kilometer langen Mannschaftszeitfahren in Brüssel wieder umgeworfen werden. Dann kommt es auch zur ersten Standortbestimmung der favorisierten Fahrer. "Wir wollen den Abstand zum siegreichen Team so gering wie möglich halten. Eine Top-6-Platzierung ist das Ziel", sagte Ralph Denk als Teamchef von Bora-hansgrohe, der mit Emanuel Buchmann einen Platz unter den besten Zehn anpeilt. Das hatte zuletzt Andreas Klöden vor zehn Jahren als Gesamtsechster geschafft.

Das erste Bergtrikot trägt der Olympiasieger. Für den Belgier Greg van Avermaet war es als Klassikerspezialist natürlich ein großes Bedürfnis, die nötigen Punkte an der Mauer von Geraardsbergen und dem Bosberg – zwei historische Anstiege in der Geschichte der Flandern-Rundfahrt – einzusammeln.