Willi Bruckbauer hat die Dunstabzugshaube neu erfunden. Seine Leidenschaft aber ist der Radsport. Früher wäre er fast Profi geworden, heute sponsert er ein Team bei der Tour de France. Sein Team.

ZEIT ONLINE: Herr Bruckbauer, Sie sind mit Ihrer Firma, die Dunstabzüge für Küchen baut, Hauptsponsor des besten deutschen Radsportteams. Was versprechen Sie sich eigentlich davon?

Willi Bruckbauer: Radsport hat mit Abstand das beste Preis-Leistungs-Verhältnis im Sportsponsoring. Er ist eine gebeutelte Sportart – und deshalb bezahlbar. Mein Vorgänger als Sponsor war Net App, ein kalifornischer Milliardenkonzern aus dem Silicon Valley. Dessen Werbewerte habe ich mir angeschaut, das lässt sich ja alles trittfest messen, am Ende steht da ein Betrag in Euro.

ZEIT ONLINE: Sie sind früher selbst Rennen gefahren. Ist das auch ein Grund für Ihr Engagement?

Bruckbauer: Das ist keine Sentimentalität. Als ich den Namen meiner Firma mit Sportsponsoring bekannter machen wollte, habe ich eine Agentur um Vorschläge gebeten. Ich wollte internationale Reichweite und dazu die Möglichkeit, meine Kunden zu den Wettkämpfen einzuladen. Mit meinem Budget hätte ich zum Beispiel auch Trikotsponsor bei einem Zweitliga-Fußballteam werden können. Aber schon in der 1. Liga weiß doch außer den Fans keiner mehr, wer da eigentlich wofür wirbt. Bei der Tour de France schauen 190 Länder stundenlang zu, im Free-TV! Gerade in radsportbegeisterten Ländern wie Frankreich, Italien, Spanien ist unsere Bekanntheit um ein Vielfaches gestiegen.

ZEIT ONLINE: Aber sollte es in Ihrem Team einen Dopingfall geben, färbt auch das auf die Firma ab.

Bruckbauer: Ich bekomme jeden Monat die Dopingtestergebnisse der Fahrer, für Blut und Urin. Da gibt es inzwischen eine brutale Kontrolldichte. Auffälligkeiten werden schnell festgestellt, seit Einführung des Blutpasses sind die meisten aufgeflogen. Die Auffahrtszeiten bei den Bergetappen sind auch langsamer geworden, manches wird durch neues Material kompensiert. Als bei der Nordischen Ski-WM das Netzwerk des Erfurter Dopingarztes enttarnt wurde, habe ich den Teamchef, meinen Freund Ralph Denk, alle unsere Fahrer dezidiert fragen lassen, ob einer Kontakt zu dem hatte. Alle haben das verneint.

ZEIT ONLINE: Würden Sie für Ihre Fahrer die Hand auf die Herdplatte legen?

Bruckbauer: Das können Sie in keinem Sport! In unserem Team gibt es Fahrer aus 14 Nationen, und die haben immer nur Ein- oder Zweijahresverträge. Jedes Jahr bekommen 20 Prozent von ihnen den Vertrag nicht verlängert – das gibt es so nur im Radsport. Da ist die Versuchung groß.

ZEIT ONLINE: Wie war das zu Ihrer Zeit als Fahrer? Kamen Sie auch in Versuchung?

Bruckbauer: Ich war ja nie Profi, nur Amateur, bin Sechstagerennen in Berlin gefahren, die Deutsche Meisterschaft auf der Bahn. Da war ich ganz gut. Dazu viele internationale Amateurrennen in Italien, die Sizilien- und die Kalabrien-Rundfahrt. Wer dort gewinnt, wird im nächsten Jahr Profi. Da gab es zum Teil über 300 Starter, die ersten Stürze passierten schon vor dem Start. Ist schon eine wilde Sportart.

ZEIT ONLINE: Ihr schlimmster Moment?

Bruckbauer: Eigentlich haben mir zehn Jahre lang die Beine wehgetan. Ich war zehn Jahre lang kaputt, jeden Tag so leicht angeditscht. Erst als ich aufgehört habe, ist mir aufgefallen, wie es ist, ohne Schmerz zu leben. In Italien war ich mal 50 Meter vor dem Ziel an Position drei, leicht bergab und mit Rückenwind. Da stürzen die ersten beiden und nehmen mich mit … Das war das erste Mal, dass ich mir die Bilder von der Zielkamera gekauft habe: Ich fliege auch in die Luft, liege zusammengekauert auf dem Boden, habe ein Absperrgitter mitgenommen, das mir dann die Wade durchgestanzt hat.