Mit jedem Schlag, den er in Wimbledon macht, läuft Roger Federer Gefahr, einen Rekord aufzustellen. Nun war es wieder so weit. In Wimbledon gewann er, im Alter von 37 Jahren, gegen den Japaner Kei Nishikori 4:6, 6:1, 6:4 und 6:4 und zog ins Halbfinale ein. Es war sein einhundertster Sieg bei diesem Turnier, noch nie hat ein Spieler bei einem der vier großen Grand-Slam-Turniere öfter gewonnen.

Noch ein Rasenrekord also, denn Federer gewann bereits unerreichte 19 Turniere auf diesem Belag. Bei Turnieren auf dem Grün siegte er insgesamt 186-mal und keiner gewann mehr Spiele bei den Grand-Slam-Turnieren als der Schweizer. Er ist auf dem Rasen der Beste in diesem traditionsreichen Sport.

In Wimbledon fühlt er sich einfach wohl. Gleich als er das dritte Mal antrat, 2001, und zum ersten Mal die ersten Runden überstand, beendete er die Serie des damaligen Rekordsiegers Pete Sampras und warf ihn aus dem Turnier. Mittlerweile ist er mit acht Titeln selbst Rekordsieger. Federer auf dem Rasen, Messi auf dem Fußballfeld, Phelps im Wasser.

Wenn Federer spielt, kann man nicht wegschauen. Der Moment, wenn der Ball geführt von seiner Rückhand den Schläger verlässt, wird sicher irgendwann in Bronze gegossen und als Statue an der Church Road in London vor dem Tennisclub stehen. Man kann ins Tate Modern gehen, um Kunst zu bestaunen, oder man guckt Roger Federer auf dem Rasen zu.  

Einer der Größten

Wenn auch nur eine Haarspitze von Federer irgendwo in Wimbledon zu sehen ist, beginnen die Zuschauerinnen und Zuschauer, seinen Namen zu rufen. "Long live the king" schrieb eine Autorin mal, als sie miterlebte, wie Federer wenige Sekunden zu sehen war, als er über eine Brücke ging zwischen dem Centre Court und dem Bereich, der für die Spieler vorgesehen ist.   

Noch immer trifft der Satz von Boris Becker, den er nach Federers bisher letztem Sieg 2017 sagte, zu: "Er hat den Lauf seines Lebens. Aber im Prinzip ist das sein ganzes Leben so." Dabei läuft es erst seit diesem Jahr wieder so richtig gut für ihn.

2017 und 2018 ließ er die Sandturniere wegen Verletzungen aus, um sich für den Rasen zu schonen. Manche fürchteten das Ende seiner Karriere. Selbst zu dieser Zeit aber sagte Tommy Haas: "Gegen keinen anderen Spieler fühle ich mehr Druck auf dem Feld, er lässt dir einfach keine Luft zum Atmen." 

Er wird immer besser

Das Erstaunlichste an Federer ist, dass er mit fast 38 Jahren nicht weniger geschmeidig aussieht. Man hat sogar das Gefühl, er wird immer noch eleganter und besser. Klar, das Tempo ist nicht mehr das Gleiche. Aber er findet neue Lösungen. In diesem Jahr kam er nach zwei Jahren Pause wieder zu den French Open.

Sein Auftritt überraschte die Experten wieder. Viele seiner Punkte machte er am Netz, manchmal verschleppte oder stoppte er jäh das Tempo mit einem sanften Slice, um plötzlich wieder einen harten Schlag zu platzieren. Die jungen Spieler machen viel von der Grundlinie mit langen Rallys und vielen Schlägen, der Maestro Federer dirigiert den Ball. Allerdings war Federer im Halbfinale gegen den König auf Sand, Rafael Nadal, so chancenlos wie nie zuvor.