Wie ging es aus?

USA – Niederlande 2:0 (0:0)

Wieder die USA?

Ja. Zum vierten Mal holten sie den Titel, zum ersten Mal konnten sie ihn verteidigen. Die Holländerinnen hielten das Unentschieden zwar bis in die zweite Halbzeit hinein. Doch ein viel zu hohes Bein von Stefanie van der Gragt im Strafraum führte zu einem Elfmeter, den Megan Rapinoe verwandelte. Das zweite Tor schoss Rose Lavelle. Die USA waren der Favorit in diesem Finale, sie blieben es und werden es im Frauenfußball weiterhin sein. Sie haben nicht auf jeder Position die besten Spielerinnen, wuselten sich mit drei knappen 2:1-Siegen durch die K.o.-Spiele; aber sie sind das beste Team mit den meisten Fußballerinnen eines Landes. Die Marke "Team USA" besitzt bei den Frauen eine ähnliche Kraft wie einst das brasilianische Nationalteam bei den Männern. Und die US-Kickerinnen sind für viele Frauen große Vorbilder, weil sie ihren eigenen Verband auf gleiche Bezahlung verklagen.

Wie lief das Finale?

Zunächst schleppend, was aber für die Niederländerinnen ein großer Erfolg ist: Vor vier Jahren führten die USA gegen Japan im Finale schon nach 16 Minuten mit 4:0. Und in diesem Turnier hatten sie immer innerhalb der ersten zwölf Minuten getroffen. Sie kommen mit Wucht und Energie, doch die Niederländerinnen waren vorbereitet. Sie standen tief mit zehn Spielerinnen, nur Lineth Beerensteyn harrte an der Mittellinie aus und wartete auf Konter. Zweimal ergab sich sogar die Chance, doch entweder war der Pass auf sie zu ungenau oder sie scheiterte. Man sah den Amerikanerinnen in diesen Situationen allerdings an, dass sie gegnerische Konter in etwa so sehr mögen wie Megan Rapinoe ihren Präsidenten. Sie selbst kamen das erste Mal um die 40. Minute herum auf, als Alex Morgan sehen wollte, ob die holländische Torhüterin Sari van Veenendaal auch im Finale so gut halten kann wie noch eine Runde zuvor. Sie konnte: Ihr war es zu verdanken, dass es zur Pause 0:0 stand.

In der zweiten Hälfte wurde es ruppig, Blut floss von Becky Sauerbrunns Kopf. Chancen ergaben sich keine, bis van der Gragt mit ihrer Zehenspitze das Stadiondach berühren wollte. Dummerweise stand Alex Morgan dabei im Weg. Die französische Schiedsrichterin Stéphanie Frappart, die ohne Fehler blieb, erkannte den Elfmeter auf dem Bildschirm am Rand des Feldes, der Videobeweis war also auch im Finale zu Gast. Rapinoe traf (es war das erste Elfmetertor in einem WM-Finale überhaupt), später wurde sie zur Spielerin des Turniers gewählt. Die Holländerinnen mussten ihre defensive Ausrichtung aufgeben, brachten eine Stürmerin für eine Verteidigerin. Gegen die USA ist das allerdings in etwa so, als würde man bei einem Staudamm die Schleusen öffnen. Von den vielen Chancen, die sich nun für die Nordamerikanerinnen ergaben, traf Lavelle mit einem Schuss aus 20 Meter. Die Verteidigerinnen der Niederlande waren freundlich mitgelaufen, ohne zu attackieren. So blieb es bis zum Schluss beim 2:0 – denn Vorsprünge verteidigen können sie halt auch.

Wer stach hervor?

Natürlich Rapinoe, die Frau, die, egal was Donald Trump sagen wird, auf keinen fucking Fall ins Weiße Haus gehen wird. Die auch im Finale die US-Hymne nicht mitsang, um gegen Rassismus zu protestieren. Und auch am Tag zuvor nicht geschwiegen hatte und sagte, es sei unglaublich von der Fifa, am gleichen Tag des WM-Finales der Frauen die Finals der Kontinentalmeisterschaften in Nord- und Südamerika bei den Herren auszutragen. Hinzu kommt, dass Rapinoe eben nicht nur redet. Sie wurde beste Spielerin des Turniers und war die beste Torschützin. Und sie flankt auch richtig gut. Ihre Hereingaben von der linken Seite waren immer gefährlich, ihre Worte sind es für die Gegner des Frauenfußballs ebenso. Sie wird gerade zu einer neuen Ikone des Sports.

Die Holländerinnen haben auch richtig gute Fußballerinnen. Das Talent von Vivianne Miedema blitzte hier und da auf: Einmal ließ sie vier US-Verteidigerinnen stehen und hob den Ball aus vollem Lauf in die Mitte. Mit ihren gerade einmal 22 Jahren hat sie schon 61 Tore für Holland erzielt – und damit mehr als jede andere Frau und jeder andere Mann aus den Niederlanden.

Dann war da noch Sari van Veenendaal, die orangene Torhüterin. Sie hielt auch in diesem Finale herausragend, schon das Halbfinale war zu ihrer Show geworden. Hollands Erfolg hängt eng mit ihr zusammen.

Ebenfalls nicht unwichtig: Zum zweiten Mal nach 2003 standen zwei Cheftrainerinnen im Finale. Jill Ellis und Sarina Wiegman waren zwei von insgesamt neun Frauen an den Seitenlinien des Turniers. Wiegman hatte vor dem Finale gesagt: "Es ist gut, wenn sich Frauen in allen Bereichen entwickeln. Es müssen mehr eine Chance in höheren Positionen bekommen, das gilt für alle gesellschaftlichen Bereiche. Wir brauchen Chancen, um unsere Qualitäten zu zeigen."