Der Fußball war schon mal weiter. Nachdem in den Achtzigern schwarze Spieler mit Affenlauten beleidigt und mit Bananen beworfen worden waren und in den Neunzigern in Deutschland Häuser gebrannt hatten, reagierten Fans, Vereine und Verbände mit Mut, Engagement und Anstand. Mannschaften liefen auf mit der Botschaft "Mein Freund ist Ausländer", beim DFB entstanden Ideen für Integrationsprojekte, vor allem in den Kurven fand eine Selbstreinigung statt. 

Das war eine Erfolgsstory, denn anschließend war Rassismus in deutschen Stadien lange verpönt. Doch der erarbeitete Konsens ist, wie im ganzen Land, in Gefahr. Trotz aller gegenteiliger Beschwerden ist heute vieles wieder sagbar, auch im Fußball. So wurde Mesut Özil wegen der Erdoğan-Fotos nicht nur zu Recht kritisiert, sondern auch rassistisch angefeindet. Und in manchen Stadien hört man schon wieder mal "Kanake" und anderes Herrenrassevokabular.

Wie man nun weiß, sitzt das Problem auch in den VIP-Logen. Clemens Tönnies, der Aufsichtsratsvorsitzende von Schalke 04, hat einen Blick in sein Oberstübchen ermöglicht. Statt im Kampf gegen den Klimawandel die Steuern zu erhöhen, sagte er auf einer Wirtschaftstagung in Paderborn, solle man lieber jährlich zwanzig Kraftwerke in Afrika finanzieren. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren."

Doch statt sich von Tönnies zu trennen, lässt der Ehrenrat des Vereins ihn davonkommen. Er muss bloß sein Amt für drei Monate ruhen lassen, danach macht er weiter. Ohne Auflagen sogar, etwa 100 Stunden bei der Flüchtlingshilfe Gelsenkirchen. Noch fataler als dieser Quasifreispruch ist seine Begründung: Tönnies habe zwar gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen, doch der Vorwurf des Rassismus sei unbegründet. Das ist so rätselhaft wie unerträglich.

Der Vorwurf des Rassismus ist sehr wohl begründet, denn Tönnies kolportierte auf die plumpeste und biedermännischste Art irgendwelche angeblichen Rassemerkmale. Die baumfällenden und – wie der deutsche Adel sagt – "schnackselnden" Afrikaner sollen also schuld sein an der Erderhitzung. So denkt ein Kolonialherr oder Großwildjäger.

Übrigens, Deutschland stößt mehr Kohlendioxid aus als der gesamte Kontinent Afrika, auch durch Massentierhaltung, womit Tönnies schweinereich wurde. Und nebenbei bemerkt, der Weiße schnackselt auch gerne, was Tönnies, der mit fünf Geschwistern aufwuchs, wissen könnte.