Gut so, die Ethikkommission des DFB hat ein deutliches Urteil gefällt und Clemens Tönnies' Aussage als rassistisch missbilligt. Mit diesem hochverdienten Makel muss er erst mal leben. Der Schalke-Chef hatte vor Wirtschaftsleuten in einer schriftlich vorbereiteten Rede vorgeschlagen, Kraftwerke in Afrika zu bauen, "dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren".

Der Spruch der Ethikkommission ist deswegen so bemerkenswert, weil manche Trainer und Manager aus der Bundesliga Tönnies' Aussage verharmlosten, bisweilen ihn selbst zu einem Opfer machen wollten. Die Kommission folgte jedoch der Ansicht, wonach es sich sehr wohl um Rassismus handele, auch wenn "der Afrikaner" keine Rasse im biologischen Sinne sei, sondern "eine Pseudoethnie", wie der Sportrechtler Jan Orth schreibt.

Damit widerspricht die Kommission auch dem Schalker Ehrenrat. Der verzichtete auf eine strenge Strafe, obwohl er in der Vergangenheit Aufsichtsräte für vergleichsweise geringe Verstöße lange suspendierte. Zudem bezeichnete das Gremium Tönnies' Satz lediglich als diskriminierend und versteckte sich hinter dem Gutachten eines Experten für Strafrecht, der Tönnies wie ein Verteidiger vor Gericht rausboxen wollte.

Das Rechtsgutachten war auch innerhalb des Gremiums umstritten, denn es geht gar nicht in erster Linie um einen Rechtsstreit, sondern um ein politisches Statement, das innerhalb des Vereins großen Schaden hinterlässt. So fühlten sich die ehemaligen Schalker Spieler Hans Sarpei und Gerald Asamoah, beide in Ghana geboren, ebenso beleidigt und angegriffen wie viele Schalke-Fans mit afrikanischen Wurzeln, aber nicht nur die.

Die Kommission scheut die Verantwortung nicht

Auch die Schalker Faninitiative, die den antirassistischen Julius-Hirsch-Preis des DFB gewann, kritisierte Tönnies scharf. Schalkes Tormann Alexander Nübel sagte: "Dass man das, was Herr Tönnies gesagt hat, nicht sagen und auch nicht denken darf, ist in meinen Augen unstrittig." Tönnies' halbherzige Entschuldigung hat daran nicht viel geändert.

Aus diesen Reaktionen wurde klar: Selbst wenn der Absender es nicht so gemeint haben sollte, entscheidend ist auch, wie etwas beim Empfänger ankommt.

Gut auch, dass die Ethikkommission die Verantwortung nicht scheut und sich der Sache überhaupt annimmt. Sie hätte sich auch auf die Position zurückziehen können, dass sie damit nichts zu tun hat. Tönnies hatte den Satz auf dem Tag des Handwerks gesagt, nicht im Stadion oder auf der Mitgliederversammlung. Dass sich Tönnies inzwischen mit dem Integrationsbeauftragten des DFB, dem Ex-Nationalspieler Cacau, in Verbindung gesetzt habe, wie Nikolaus Schneider, der Vorsitzende der Ethikkommission sagt, darf man ebenfalls als gutes Zeichen deuten.