Gab es genügend Überraschungen?

Die erste Pokalrunde ist nur schön, wenn genügend Bundes- oder Zweitligisten gegen Halbprofis oder Dorfkicker rausfliegen. Diesmal erwischte es immerhin zwei Erstklassige. Der FC Augsburg verlor beim SC Verl (bei Bielefeld) 1:2. Der Viertligist war die bessere Mannschaft, der Bundesligist brachte nur ein Elfmetertor zustande. Und Mainz schied im Rheinland-Pfalz-Derby in Kaiserslautern mit 0:2 aus. Die Roten Teufel ließen sich bei ihrer Feier nicht dadurch stören, dass sie vom Fifa-Schiedsrichter Felix Zwayer einen Elfmeter geschenkt bekommen hatte.

Auch zwei Zweitligisten erwischte es. Fürth unterlag beim klassentieferen Duisburg 0:2. Regensburg konnte im Saarbrücker Regen eine 2:1-Führung nicht nutzen und nahm in der Nachspielzeit das 2:3 gegen den Regionalligisten hin. Die Heimfans gerieten aus dem Häuschen und jubelten mit ihren Schirmen.

In den anderen Spielen setzten sich die Favoriten durch, allerdings wurde es oft knapp. Gladbach, Leipzig, Paderborn, Köln, Nürnberg, Hamburg, Hoffenheim, Düsseldorf und Köln gewannen jeweils nur mit einem Tor Vorsprung oder in Verlängerung oder Elfmeterschießen. Vielleicht erwischt es ja an diesen Montagabend noch die Bayern in Cottbus.

Alle Ergebnisse der 1. DFB-Pokalrunde

Welches Spiel war das coolste?

Waldhof Mannheim gegen Eintracht Frankfurt. In den Achtzigerjahren war der SV Waldhof ein Kultclub in der Bundesliga. Trainiert wurde die Mannschaft vom Pepitahutträger Klaus Schlappner, der 1968 aus Protest gegen die 68er für kurze Zeit in die NPD eintrat. Aus der Waldhof-Schule kamen Nationalspieler wie Jürgen Kohler, Christian Wörns und Maurizio Gaudino. Nach einem Absturz in den Amateurfußball ist Mannheim inzwischen wieder in der Dritten Liga. Gegen die Eintracht ging Waldhof, im schönen traditionellen Hellblau, erst 2:0, dann später 3:2 in Führung. Es war nur noch eine Viertelstunde bis zur Sensation, doch dann zeigte Frankfurts Vizeweltmeister Ante Rebić seine Stärken. Er erzielte einen Hattrick, wobei der letzte Treffer zum 3:5 besondere Finesse hatte. Erst ließ der Kroate mit einer Finte den Tormann stehen, dann, mit einer weiteren, noch einen Abwehrspieler ins Leere grätschen. Gute Stimmung auch in den Kurven. Das lag weniger am Leichtbier, das in Mannheim ausgeschenkt wurde, sondern mehr an der Fanfreundschaft zwischen den beiden Vereinen. Die sich, weniger romantisch, aus dem Hass auf Offenbach speist.

Wer stand im Blickpunkt?

Bakery Jatta. Der HSV-Profi, der 2015 als Flüchtling nach Deutschland kam und sich jünger gemacht und seinen Namen geändert haben soll, stand in der Anfangself beim Spiel in Chemnitz. Die Hamburger Fans applaudierten, als sie davon im Stadion erfuhren. Kapitän Aaron Hunt, der den gleichen Berater hat wie Jatta, schrieb zuvor auf Instagram: "Hier wird ein Profi vorverurteilt, der eigentlich nie eine Chance hatte und sie trotzdem nutzte. Der auf der Flucht war, um ein Stück von dem zu erleben, was für uns normal ist." Seine Kritik zielte auf Bild und Sport Bild, die vergangene Woche festgestellt haben wollten, dass Jatta eigentlich Daffeh heißt und zwei Jahre älter ist. Ob das stimmt und was die Gründe dafür sein könnten, ist bislang nicht klar. Unter den Fans scheint sich die Auffassung durchgesetzt zu haben, dass es egal ist, wie Jaffa/Daffeh heißt, wo er vorher gespielt hat und wie alt er ist. Hauptsache, er ist ein wichtiger Teil des HSV.

Solidarität erlebte auch Daniel Frahn. Der Chemnitzer FC hatte sich vorige Woche von seinem Kapitän getrennt, weil der einer rechtsextremen Fangruppe nahesteht. Immer wieder erklangen im Stadion Sprechchöre auf Frahn. Es war auch "Widerstand" zu hören. Fußball wurde auch gespielt: Der HSV siegte auch hier.