Designierter DFB-Präsident - Fritz Keller will Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurückgewinnen Am 27. September soll Fritz Keller zum neuen DFB-Präsidenten gewählt werden. Er folgt auf Reinhard Grindel, der im April zurückgetreten war. © Foto: Andreas Gora/​dpa

Christian Seifert erzielte Treffer um Treffer. Der DFB habe in den internationalen Fußballgremien in den vergangenen Jahren signifikant an Einfluss verloren, sagte der Chef der DFL. Da müsse man "einiges strukturell neu aufstellen". Gleich drei ehemaligen DFB-Präsidenten, Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel, rief er hinterher, es habe "nicht hundertprozentig gepasst". Außerdem bescheinigte er dem DFB Anfälligkeit für "Alleinherrschaft", das sei "eines der Übel". Auch empfahl er dem Verband der Amateure, man müsse Amateursport "professionell organisieren". Das war eine deutliche Kopfwäsche für den DFB, und das auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der DFL, einer DFB-Tochter.

Der DFB-Vizepräsident Rainer Koch, ebenfalls auf dem Podium, blickte unsicher und fühlte sich womöglich auch angesprochen. Immer wieder ergriff auch er ungefragt die Initiative und sprach lange, nicht immer klare Sätze über die Untiefen des Verbandwesens. Beide redeten viel, Seifert aus der Position des Stürmers, Koch kam eher aus der Defensive.

Zwischen beiden saß Fritz Keller. Ach, er war ja auch noch da. Um ihn sollte es eigentlich gehen, der künftige DFB-Präsident wollte sich in einem Hotel im Berliner Stadtteil Tiergarten der Öffentlichkeit vorstellen. Über das sportpolitische Profil des beliebten Präsidenten des SC Freiburg war bislang nichts bekannt gewesen. Doch auch nach seinem Debüt war man nicht viel schlauer.

Stolz und Glück standen ihm im Gesicht geschrieben

Als DFB-Präsident steht man vor großen Aufgaben. Nach vielen großen und kleinen Skandalen hat der Verband an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Immer mehr Dorfvereine fühlen sich nicht mehr durch ihn vertreten. Von Keller erwarten Teile der Basis, dass er aus dem DFB wieder ein Gegengewicht zur DFL macht. Die Profiabteilung wird immer reicher und bestimmender. Von einem DFB-Präsidenten wünschen sich viele zudem, dass er Stellung bezieht zum wachsenden Nationalismus in Deutschland und der Welt, der auch vor dem Fußball nicht Halt macht. Nicht zuletzt hoffen viele Fans, dass die Nationalmannschaft und ihr Trainer unter dem neuen Präsidenten nicht mehr so überheblich auftreten wie bei der Weltmeisterschaft in Russland. 

Man war gespannt auf Keller, der gut gelaunt erschien. Stolz und Glück standen ihm im Gesicht geschrieben. Die Regional- und Landesverbände sowie die Vertreter der Bundesliga hatten ihm zuvor seine Unterstützung zugesichert. Für die Fotografen posierte er Arm in Arm mit Rainer Koch. Mit Seifert plauderte er vertraulich. Keller wird angerechnet, dass er nicht dem üblichen Verbandsgeklüngel entstammt, doch den Flirt mit den Funktionären kann er schon ganz gut.

Er versprach, selbstredend, "Transparenz" und versicherte seine Bodenständigkeit, indem er fallen ließ, dass er auch als Präsident auf seine "Wurscht in der Oberliga" nicht verzichten werde. "Mir hat der Fußball so viel gegeben." Vereine, sagte er nicht ohne Pathos, seien die "Grundlage der Demokratie".