Radsprinter gelten als Draufgänger. Pascal Ackermann, 25, ist einer von ihnen. Von Donnerstag bis Sonntag fährt er bei der Deutschland-Tour. Beim Giro d'Italia gewann er dieses Jahr zwei Etappen und die Sprintwertung – als erster Deutscher bei diesem Rennen.

ZEIT ONLINE: Herr Ackermann, erinnern Sie sich an Ihren letzten Sturz?

Pascal Ackermann: Ja, das war im Mai, auf der elften Etappe beim Giro d'Italia.

ZEIT ONLINE: Was ist kaputt gegangen?

Ackermann: Eigentlich nur Haut, aber davon genug.

ZEIT ONLINE: Was denkt man, wenn man fällt?

Ackermann: Das geht so schnell, da hat man keine Zeit, irgendwas zu denken.

ZEIT ONLINE: Dann am Boden?

Ackermann: Da schaut man, wie man sich schnell in Sicherheit bringen kann. Und dann schnell weg von der Straße!

ZEIT ONLINE: Ist es nicht ein bisschen verrückt, mit mehr als 70 Stundenkilometern Schulter an Schulter auf einem Fahrrad nebeneinander herzufahren?

Ackermann: Risiko gehört bei unserem Job halt dazu. Wer sich zu viele Gedanken macht, ist fehl am Platz. Der muss Schach spielen.

ZEIT ONLINE: Radsport ist ein gefährlicher Sport. Muss man sich nach Stürzen erst wieder gedanklich freimachen?

Ackermann: Nee, darüber darf man nicht nachdenken. Das muss man so schnell wie möglich vergessen.

ZEIT ONLINE: Aber ganz ausblenden kann man das doch nicht, oder?

Ackermann: Man darf wirklich nicht darüber nachdenken. Sobald man nachdenkt, wird man unsicher und dann passiert was.

ZEIT ONLINE: Wie fühlt es sich an, kurz vor dem Ziel in einem Pulk aus Sprintern zu fahren?

Ackermann: Ich schaue nur nach vorne und kriege gar nicht mit, was links und rechts von mir passiert. Dann entscheide ich spontan, was ich tue. Und man muss natürlich darauf achten, dass alles fair bleibt. Man darf nichts provozieren und durch Lücken fahren, die es nicht gibt.

ZEIT ONLINE: Gibt es unterschiedliche Sprintertypen?

Ackermann: Ja. Manche fahren lieber einen langen Sprint, andere einen kurzen. Man darf nur nicht immer das Gleiche machen. Sonst ist man berechenbar und hat den Sprint eigentlich schon verloren. Ich bin vergangenes Jahr viel von vorne gefahren, das habe ich mir diese Saison abgewöhnt und warte eher ab. Und die Saison hat gezeigt, dass das vielleicht nicht so schlecht ist.

ZEIT ONLINE: Haben Sie im Gefühl, wann Sie aus dem Windschatten heraustreten und lossprinten müssen?

Ackermann: Am besten lässt mich mein Anfahrer kurz vor dem Ziel raus, dann muss ich gar nicht so viel überlegen. Wenn jemand mit Schwung von hinten kommt, muss ich vielleicht hinterher. Aber das muss ich jedes Mal aufs Neue entscheiden.