Dennoch: Von Fußballfunktionären hört man dazu wenig bis gar nichts. Ab und zu ringt man sich eine halbherzig gemeinte Stellungnahme ab, in der jeglicher Diskriminierung im Fußball abgeschworen wird, darüber hinaus passiert sehr wenig. Der mittlerweile verstorbene langjährige Präsident des kroatischen Fußballverbandes, Vlatko Marković, hatte seinerzeit sogar von der Uefa eine Geldstrafe wegen homophober Äußerungen bekommen. Für ihn sollten keine schwulen Spieler in einem Nationalteam spielen, aber das würde ja ohnehin kein großes Problem darstellen, da "glücklicherweise nur normale Menschen Fußball spielen".

Ein anderer kroatischer Fußballtrainer, Otto Barić, behauptete, bloß auszusprechen, "was viele denken", nämlich dass er "niemals einen Homosexuellen erlauben würde, in seiner Mannschaft zu spielen".

Das Tabuthema

Auch die meisten Spieler schweigen dazu. Nur von Josip Brekalo, dem kroatischen Nationalspieler vom VfL Wolfsburg, hat man gehört, dass er aufgrund seiner christlichen Überzeugung nicht hinter einer Kapitänsbinde in Regenbogenfarben stehen könne, mit der der VfL seit einem Jahr aufläuft. Ivan Rakitić vom FC Barcelona sagte in einem Interview, das schon sieben Jahre zurückliegt, aber dessen Zitate in diesem Frühjahr wiederaufkamen, dass er Homosexuelle zwar respektiere, sie aber nicht in der Kabine haben wollen würde. Er wollte sich in diesem Jahr dazu nicht weiter äußern.

So wie auch beim bislang letzten Vorfall in Sarajevo: Sowohl der Verein als auch der bosnische Fußballverband blieben nach den Bannern gegen die Gay Pride stumm. Bosnien und Herzegowina ist das einzige Land der postjugoslawischen Region, in dem bisher noch keine Pride-Parade stattgefunden hat, sie soll das bislang unsichtbare Leben der LGBTIQ-Community sichtbar machen. Dementsprechend geht die gesellschaftliche Debatte weit über das Fußballfeld hinaus.

Die Gefahr ist real

Die Parlamentsabgeordnete des Kantons Sarajevo Samra Ćosović-Hajdarević von der islamisch-nationalistischen SDA veröffentlichte auf Facebook einen Kommentar, der mittlerweile wieder gelöscht wurde. Dort attestierte sie der Parade und ihren Teilnehmern, dass sie "Volk und Land zersetzen" würden. Schüler der Polizeiakademie Bosnien und Herzegowina veröffentlichten eine Umfrage, in der sie fragten, ob die Gay-Pride-Parade beschützt werden sollte oder ob man die Teilnehmerinnen und Teilnehmer "inhaftieren" sollte.

In den Post eingebaut war auch eine Petition, die zu einem Verbot der Parade aufruft. Die Gefahr von physischer Gewalt ist also sehr real. Denn es bleibt nicht nur bei Gewaltfantasien und Aufrufen. Schon zweimal wurden andere LGBTIQ-Veranstaltungen in Sarajevo wegen gewaltsamer Übergriffe abgebrochen. Und es ist nicht lange her, als die Pride-Paraden in Belgrad und in Split von gewaltbereiten Fußballhooligans attackiert wurden. Homophobie ist also kein fußballspezifisches Problem auf dem Balkan, sondern ein gesamtgesellschaftliches. Nur hat der Hass im Fußball keine Konsequenzen.