Vielleicht sprach Karl-Heinz Rummenigge das wahrhafteste Wort. "Es war nicht sein letzter Tag heute", sagte der Bayern-Vorstand über Uli Hoeneß und überreichte ihm ein gerahmtes Trikot mit alten Bildern zum Geschenk. Klar, logisch, Hoeneß wird erst in knapp drei Monaten als Bayern-Chef zurücktreten. Doch dann schob Rummenigge hinterher: "Es wird nie sein letzter Tag sein."

Der Satz war ein bisschen dahingeplappert und womöglich wollte Rummenigge ihn anders formulieren. Doch gerade in seiner Beiläufigkeit bestätigte er jene Skeptiker, die nicht glauben wollen, dass sich Hoeneß wirklich zurückzieht. Rummenigge drückte mehr oder weniger unfreiwillig aus, woran viele glauben: Den letzten Tag von Uli Hoeneß bei Bayern München wird es nie geben, zumindest nicht, solange er lebt.

Einerseits stimmt es: Hoeneß bestätigte auf der Pressekonferenz, dass er im November nicht mehr als Präsident des FC Bayern kandidieren und damit auch als Aufsichtsratschef zurücktreten wird. Zum ersten Mal seit vierzig Jahren werde er "ohne Plan und Verantwortung" sein, sagte er und wirkte aufgeräumt wie lange nicht.

Hoeneß wird seinen Einfluss wahren

Andererseits behält Hoeneß seinen Posten als einfaches Aufsichtsratsmitglied. Ganz weg ist er also nicht. Nun steht die Frage im Raum, ob das ein echter Rückzug ist oder nur ein formaler. Wie weg ist Uli Hoeneß?

"Die Entscheidung ist gewachsen", sagte Hoeneß – und wer will es ihm verdenken? "Meine Familie hat mich beim Frühstück daran erinnert, dass sie mehr Zeit mit mir verbringen will." Auch ihr zuliebe wolle er weniger arbeiten. Seine Frau könne es noch gar nicht glauben.

Vielleicht hat seine Frau gute Gründe für ihre Zweifel, sie kennt ihren Mann schließlich am besten. Nicht ganz so gut, aber auch ein bisschen kennt ihn die Fußballwelt. Hoeneß ist seit Jahrzehnten der Macher des FC Bayern, der noch kurz vor seinem Haftantritt im Jahr 2014 den Mitgliedern ankündigte: "Das war es noch lange nicht." Das sollte es auch nicht gewesen sein, und als Aufsichtsratschef hielt er sich zuletzt nie an die Grenzen des Amts. So redete er nicht nur in der Transferpolitik mit.

Hoeneß wird allein durch seine Beziehungen zum Führungspersonal des FC Bayern seinen Einfluss wahren. Der Trainer Niko Kovač, der Sportdirektor Hasan Salihamidžić und der künftige Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn sind allesamt Hoeneß-Männer. Sogar seinen eigenen Nachfolger hat er bestimmt: Der kommende Aufsichtsratschef wird Herbert Hainer sein, Hoeneß' Freund und gerade mal zwei Jahre jünger. Wird der ehemalige Adidas-Chef Hainer, der bislang im Verein nie Machtambitionen hegte, Hoeneß widersprechen, wenn der in einer Personalfrage den Daumen senkt? "Meine Tür steht immer weit offen", sagte Hoeneß, und wer wollte, konnte gedanklich ergänzen, dass er es sein wird, der durch sie schreitet.