In der Politik ist England die Lachnummer des Kontinents, im Fußball ist das ganz anders. Wenn an diesem Dienstag die neue Champions-League-Saison beginnt, dann werden englische Teams die größten Favoriten sein. In der Vorsaison beendete die Premier League die spanische Epoche, die rund zehn Jahre dauerte. Im Juni erlebte die Fußballwelt ein englisches Finale zwischen Liverpool und Tottenham in der Champions League. Die Premier-League-Clubs haben das Geld, um die besten Spieler und Trainer der Welt zu beschäftigen.

Die aktuell stärksten zwei Mannschaften der Welt sind wohl Manchester City und der FC Liverpool. Sie sind geprägt von ihren Trainern. Jürgen Klopp hat seine Elf auf große Ziele eingeschworen und mit Energie aufgeladen. Zweimal nacheinander erreichten die Reds das Endspiel, jeweils mit ein wenig Glück, aber stets geleitet vom Glauben an sich, selbst wenn es mal nicht läuft. Das ist ein Trumpf in Alles-oder-Nichts-Duellen.

City spielt unter Pep Guardiola den klarsten und offensivsten Stil. Zwar werden Leroy Sané und Aymeric Laporte, zwei wichtige Spieler, lange verletzt fehlen, aber in der entscheidenden Phase der Champions League wieder da sein. Und Kevin De Bruyne, Citys wichtigster Kicker, ist wieder fit. Guardiola, von dem nicht nur Spieler sagen, er sei der beste Trainer der Welt, ist, so kann man fast sagen, in der Pflicht, mal wieder ins Finale einzuziehen. Zuletzt stand er dort 2011.

Guardiola gewann zuletzt die Liga, Klopp die Champions League. Beide hätten sicher nichts dagegen, wenn es diesmal umgekehrt verliefe. Vielleicht kommt es ja so, weil beide Teams ihren Fokus genau auf den Titel legen, der ihnen fehlt.

Nicht als ganz großer Favorit auf dem Radar der Experten ist Juventus Turin. Sie könnten sich täuschen, denn die Elf hinterließ bereits in der Vorsaison erstmals seit Langem einen titelfähigen Eindruck. Das lag an Ronaldo, der jedes Team pusht. Juve hat was in der Offensive zu bieten, etwa Paulo Dybala, Gonzalo Higuaín oder Federico Bernardeschi. Die ohnehin gute Abwehr wurde verstärkt mit Matthis de Ligt aus Amsterdam und Danilo aus Manchester. Und der neue Trainer Maurizio Sarri gewann im Mai mit Chelsea die Europa League.

Bei den Buchmachern nicht sehr weit oben steht auch Atlético Madrid. Doch die Elf darf man nie unterschätzen, gegen sie muss man erst mal ein Tor schießen. Unter dem Abwehrmeister Diego Simeone, dem besten Trainer der spanischen Liga, weiß jeder, was er zu tun hat. Vielleicht leistet sich Atlético deswegen so selten Fehlkäufe. In diesem Sommer stieß der 19-jährige Knabe João Félix aus Lissabon hinzu. Allerdings hat Atlético die drei Stützen Antoine Griezmann, Diego Godín und Rodri verloren, möglicherweise steht das Team vor einem Übergangsjahr. Es ist eine Frage der Zeit, bis es wieder ein Spitzenteam sein wird.