Linda Gantze, 26 Jahre alt, ist Cheerleaderin bei den Dortmunder Silver Spirit Dancern. Sie wurde mit ihrem Team mehrfach Deutsche Meisterin und Europameisterin.

ZEIT ONLINE: Frau Gantze, Alba Berlin hat seine Cheerleaderinnen abgeschafft. Der Verein sei "zu der Überzeugung gekommen, dass das Auftreten junger Frauen als attraktive Pausenfüller bei Sportevents nicht mehr in unsere Zeit passt". Sehen Sie sich so, als attraktive Pausenfüller?

Linda Gantze: Gar nicht. Wir sind Cheerleader, wir machen Stimmung, feuern an, wollen Freude verbreiten. Das gehört zu einem Sport dazu. Ich finde diese Entscheidung nicht gut. Als Argument wurde ja auch aufgeführt, dass man den Basketball der Frauen dadurch fördern wolle. Diesen Zusammenhang verstehe ich nicht. Wohl, weil es keinen gibt. Es geht doch beides: den Sport Frauenbasketball und den Sport Cheerleading fördern.

ZEIT ONLINE: Sie bezeichnen Cheerleading als Sport. Landläufig scheint das noch anders gesehen zu werden.

Linda Gantze ist als Cheerleaderin der Dortmunder Silver Spirit Dancer mehrfach Deutsche Meisterin und Europameisterin geworden. © Privat

Gantze: Wir haben keine feste Mannschaft, die wir anfeuern. Uns kann man für Auftritte bei Sportveranstaltungen oder Kirchentagen oder so etwas buchen. Das sind Showauftritte, bei denen die Leute animiert werden sollen, Stimmung zu machen und gute Laune zu haben. Wir trainieren aber auch für Landesmeisterschaften, Deutsche Meisterschaften, Europameisterschaften und, wenn es gut läuft, für Weltmeisterschaften.

ZEIT ONLINE: Wie oft trainieren Sie?

Gantze: Drei- bis viermal die Woche, zwei bis drei Stunden jeweils.

ZEIT ONLINE: Was macht denn mehr Spaß: die Showauftritte oder der Wettkampf?

Bei uns soll die Leistung im Vordergrund stehen, nicht das Nettaussehen und Pompons-in-der-Hand-Halten.
Linda Gantze, Cheerleader

Gantze: Beides gleich, es sind völlig verschiedene Sachen. Das eine ist eher Vergnügen, das andere anstrengender, da müssen wir Leistung zeigen und stehen unter Druck. Aber sich mit anderen messen, das Beste aus sich herausholen, das macht schon auch Freude.

ZEIT ONLINE: Die Silver Spirit Dancer haben mal die Footballer der Dortmund Giants angefeuert, sind nun aber ein reiner Cheerleadingverein. Davon gibt es ziemlich viele mittlerweile. Irgendwie auch ein Akt der Emanzipation, weil es beweist, dass Cheerleading an sich funktioniert und nicht mehr nur dazu dient, Männer anzufeuern.

Gantze: Das kann man so sehen. Bei uns soll die Leistung im Vordergrund stehen, nicht das Nettaussehen und Pompons-in-der-Hand-Halten. Auch wenn uns einige immer noch so abstempeln.