Fritz Keller tingelt über die Bühne, einen Strauß Blumen in der Hand. "Wo soll ich denn hin?", fragt er, sich selbst auf den Arm nehmend, und erntet heute nicht zum ersten Mal Lacher aus dem Publikum. Auf der Bühne stehen beim DFB-Bundestag in diesem Moment nur leere Stühle, und Keller kennt seinen Platz noch nicht. Er bittet um Hilfe, er ist ja neu hier.

Erste Reihe Mitte, das ist der Platz des DFB-Präsidenten. Dazu war Keller gerade von den 257 Delegierten einstimmig gewählt worden. Er sei sehr glücklich, dankbar, sagte Keller, pflegt aber auch seinen Ruf als Quereinsteiger. Als derjenige, der darum gebeten wurde. Er habe eine andere Lebensplanung verfolgt, sagt er. Sein Wohnmobil, das er sich kürzlich zugelegt habe, habe er inzwischen wieder verkauft, nach nur wenigen gefahrenen Kilometern. Lacher.

Der DFB-Präsident ist eins der wichtigsten und vielleicht auch schönsten Ämter in Deutschland. Der Verband hat mehr als sieben Millionen mittelbare Mitglieder und verfügt durch das Volkssporthafte des Fußballs über ein enormes soziales Kapital. Doch erlebte der DFB in den vergangenen Jahren mehrere tiefe Krisen, was selbst seine wichtigsten Vertreter betonten.

Die letzten drei Präsidenten traten jeweils während ihrer Amtszeit vorzeitig zurück, zwei von ihnen sind im Zusammenhang mit dem Skandal um die WM 2006 angeklagt. Die seltsamen Geldbewegungen, die ihm zugrunde liegen, sind noch immer unaufgeklärt und werden es wohl auch bleiben. Dazu kam der sportliche Misserfolg: Sowohl das Nationalteam der Männer als auch das der Frauen schied bei den vergangenen Turnieren jeweils früh wie nie aus. Und zwischen Amateuren und Profis wächst die kulturelle und finanzielle Kluft.

Vorsichtige Signale nach innen

In Frankfurt konnte man ahnen: Keller kann der richtige Mann sein, um für den DFB Glaubwürdigkeit und vor allem Sympathien zurückzugewinnen. Keller hat zudem viele gute Ideen – auch, weil er von vielen Seiten welche aufgreift. Aus seiner Rede wurde obendrein klar, dass er einiges vorhat. Jedoch blieb unklar, wie er die Ideen umsetzen will. Und ob er das überhaupt kann.

Ungeteilte Zustimmung erfuhr er für seine Forderungen an die Politik. Die solle mehr für die vielen Ehrenamtler tun, von denen der deutsche Fußball hauptsächlich lebt. Keller brachte Rentenpunkte und Steuerpauschalen ins Spiel, außerdem müsse man Vorsitzende von Amateurvereinen von der Privathaftung befreien. "Die deutschen Gesetze über das Vereinsrecht sind aus wilhelminischer Zeit", sagte er. Er wolle den DFB zu einer Lobby für seine Vereine und Mitglieder machen. Das waren starke Worte, nach außen gerichtet.

Bei den Signalen nach innen war Keller vorsichtiger. Zwar kündigte er an, eine Generalinventur beim DFB einzuleiten. Externe Experten sollen den DFB durchleuchten, ob man nicht irgendwo sparen kann. Vielleicht muss der eine oder andere Mitarbeiter künftig auf die eine oder andere Dienstreise verzichten. Auch wünschte sich Keller weniger Bürokratie im DFB und erwähnte ein Negativbeispiel aus seiner Heimatregion: Da musste ein Dorfverein 200 Euro an seinen Landesverband zahlen, weil er ein Spiel auf einen anderen Termin verlegte. Diese vielen und hohen Strafen empfinden Vereine tatsächlich als Gängelei. Wenn Keller sie reduzieren sollte, wäre er tatsächlich auch ein Präsident der Amateure.

Doch ob er wusste, was er da eigentlich ansprach, und ob er eine Ahnung hat, wie er eine solche Politik durchsetzen kann? Schließlich finanzieren sich die Landesverbände auch durch solche Zahlungen.

Ein wenig unkonkret wurde Keller auch bei den Frauen. Er wolle sie fördern, Vereine sollten sie mehr in die Verantwortung nehmen. Doch als er gefragt wurde, ob er Vereine aus der Männerbundesliga dazu bewegen oder gar verpflichten wolle, eine Frauenabteilung zu gründen, wie er das vor Wochen angedeutet hatte, entstand der Eindruck, er falle hinter sein eigenes Programm zurück.

Ein Journalist fragte sodann in der Pressekonferenz, ob er von den mächtigen Bundesligamanagern, denen die Frauen nicht ganz so am Herzen lägen, inzwischen Gegenrede erfahren habe und er deswegen zurückrudere. Keller verneinte. Dennoch blieben nicht nur an dieser Stelle Zweifel, ob er ein starker Präsident wird.