Fritz Keller ist neuer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Der 62 Jahre Clubchef des SC Freiburg wurde von den Delegierten des DFB-Bundestags in Frankfurt am Main zum Nachfolger von Reinhard Grindel gewählt.

Keller kündigte als Sofortmaßnahme eine externe Generalinventur aller Bereiche des Verbandes an. "So können wir Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückgewinnen", sagte er. Zudem wolle er den Verband in den Bereichen Gleichberechtigung, Umweltschutz und Integration verbessern. Die sportliche Krise der Nationalmannschaft biete auch eine "Chance für die Zukunft", sagte er.

Sein Vorgänger Grindel hatte das Amt Anfang April aufgegeben. Seitdem führten die DFB-Vizepräsidenten Reinhard Rauball und Rainer Koch die Geschäfte. Der unmittelbare Anlass für Grindels Rücktritt war, dass er eine Uhr im Wert von 6.000 Euro von einem Funktionärskollegen annahm. Grindel wird zudem vorgeworfen, generell falsche Angaben über seine Einkünfte gemacht zu haben.

Neben der Wahl zum neuen Präsidenten beschlossen die Delegierten, dass die wirtschaftlichen Geschäftsbetriebe des Verbandes wie der Betrieb der Nationalmannschaften und die Pokalwettbewerbe der Männer und Frauen unter dem Dach der DFB GmbH zusammengefasst und dort operativ geführt werden sollen. Angesichts eines Umsatzes von etwa 400 Millionen Euro und bald 500 Mitarbeitern müsse man weiter als bisher denken, "wenn wir den DFB zukunftssicher machen wollen", sagte Generalsekretär Friedrich Curtius.

Gemeinsam mit DFB-Direktor Oliver Bierhoff wird Curtius die GmbH führen. Der neue Verbandschef Fritz Keller will zunächst operativ arbeiten, bevor er perspektivisch die Funktion des Aufsichtsratschefs übernimmt. Auch der bislang im e.V. beheimatete operative Betrieb der 3. Liga, der Frauen-Bundesligen und der Bundesligen der Juniorinnen und Junioren sowie die Entwicklung und der Betrieb der DFB-Akademie sollen auf kommerziell tätige Töchter übertragen werden. Dies soll zeitnah bis spätestens 2021 geschehen.

Löw lobt Keller

Keller wird durch eine DFB-Strukturreform im Gegensatz zu seinen Vorgängern keine Richtlinienkompetenzen mehr für die Verbandspolitik haben. Vizechef Rainer Koch bezeichnete ihn dennoch als starken Präsidenten. "Fritz Keller ist ohne jeden Zweifel eine außergewöhnliche Persönlichkeit mit allen Qualitäten. Er lebt die Werte des Fußballs." 

Mit einem ähnlichen Lob begrüßte auch Bundestrainer Joachim Löw die Wahl Kellers. "Ich glaube, Fritz Keller steht schon seit vielen Jahren für Bodenständigkeit, Professionalität und eine tolle Führungskultur", sagte er. Löw habe ihn als Menschen kennengelernt, der Zusammenhänge versteht. "Das ist wichtig für die Einigkeit der Amateure und Profis. Ich verspreche mir von ihm für die nächsten Jahre sehr viel", sagte der Bundestrainer. 

Der Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL), Christian Seifert, teilte mit, die DFL stehe "voll und ganz hinter Fritz Keller und seinem Programm". Die Wochen seit seiner Nominierung hätten bereits gezeigt, dass es ihm um die Sache gehe. "Die personelle Neuausrichtung ist ein wichtiger Schritt, den DFB in eine erfolgreiche Zukunft zu führen", sagte Seifert laut einer Mitteilung.

Kritik an Auswahlprozess

Keller ist seit 2014 Präsident des SC Freiburg – einen Posten, den er für seine neue Funktion nun aufgibt. Keller war von einer sechsköpfigen Findungskommission um die Interimspräsidenten Koch und Rauball für das Amt des Präsidenten vorgeschlagen worden. An diesem Prozess hatte es Kritik gegeben, da andere Kandidaten praktisch aussichtslos waren. 

Neben Keller wählten die Delegierten des DFB-Bundestags Peter Peters zum 1. Vizepräsidenten. Das Vorstandsmitglied des Bundesligisten FC Schalke 04 folgt Reinhard Rauball, der nach zwölf Jahren aus dem Gremium ausscheidet. Im Amt bestätigt wurden Rainer Koch als 1. Vizepräsident für den Amateurbereich und Friedrich Curtius als Generalsekretär. Ebenso sitzen Schatzmeister Stephan Osnabrügge und DFL-Geschäftsführer Seifert weiter als Mitglieder im 20-köpfigen Präsidium.