Womöglich behalten seine vielen Unterstützer Recht und Fritz Keller wird ein guter DFB-Präsident. Der 62-jährige Winzer und bisherige Präsident des SC Freiburg gilt als integer und kompetent, außerdem mag er nicht nur den großen und reichen Fußball. Er hat Mut, denn als einer von nur vier Delegierten stimmte Keller im April 2016 gegen Reinhard Grindel, der sich im Nachhinein als keine gute Wahl herausstellte und drei Jahre später auch wegen einer Uhr als DFB-Präsident zurücktrat.

Auf dem DFB-Bundestag, der an diesem Freitag in Frankfurt stattfindet und auf dem Keller zum neuen DFB-Präsidenten bestimmt werden soll, könnten sich andere bei ihrem Nein also auf ihn berufen. Bei der Präsidentenwahl werden sie das wohl nicht tun, es gibt ohnehin keinen Gegenkandidaten, wie üblich in der Sportpolitik. Doch es stehen auch andere, strittigere, womöglich gar wichtigere Dinge auf der Tagesordnung: Satzungsänderungen, die das Amt des DFB-Präsidenten auf Dauer schwächen, ihn teilweise entmachten.

Speziell um zwei Punkte in diesen Anträgen geht es. Erstens soll aus §34 der Satzung, der die Aufgaben des Präsidenten beschreibt, folgende Passage getilgt werden:

"Ihm obliegt die Gesamtverantwortung und die Richtlinienkompetenz."

Die Richtlinienkompetenz kennt man aus der großen Politik, über sie verfügt die Bundeskanzlerin, die sich dank ihr gegenüber ihren Ministern durchsetzen kann, wenn es hart auf hart kommt. Auch so mancher DFB-Präsident war froh, als er mit Managern aus der Bundesliga oder widerspenstigen Landesfürsten verhandelte, dass die Richtlinienkompetenz in der Satzung stand. "Die Streichung der Richtlinienkompetenz hat sicher eine nicht zu unterschätzende Symbolkraft", sagt Lars Leuschner, Professor an der Universität Osnabrück und einer der renommiertesten Experten für deutsches Vereinsrecht. "Dass die Stellung des Präsidenten hiernach tatsächlich schwächer sein wird als in der Vergangenheit, kann durchaus sein."

Zweitens muss sich der DFB-Präsident gemäß §35 künftig entscheiden, ob er in den Aufsichtsrat der DFB GmbH geht, in der die Wirtschaftsdienste des Verbands versammelt sind. Oder ob er als gesetzlicher Vertreter des DFB e.V. in der Gesellschafterversammlung dieser GmbH abstimmen kann. Der DFB begründet dies mit "einer konsequenten und transparenten Trennung zwischen dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb und dem ideellen Bereich", und verweist auf Gemeinnützigkeitsfragen, steuerliche Vorgaben und Richtlinien einer Good Governance. "Die Verantwortung wird auf mehreren Schultern im DFB-Präsidium verteilt." Der Präsident bleibe jedoch selbstverständlich "oberster Repräsentant des DFB, leitet die Verhandlungen des Präsidiums und koordiniert die Arbeit der Präsidiumsmitglieder".

Leuschner hingegen hält sowohl die Trennung als auch die Begründung für "unplausibel". Zwischen Gesellschafterversammlung und Aufsichtsrat herrsche "völlige Interessenparallelität", sodass kein Anlass für eine solche Trennung besteht. "Es gibt im deutschen Recht keinen Grundsatz, wonach diese beiden Rollen inkompatibel wären."

Der Präsident als Frühstücksdirektor

Die künftige Satzung geht sogar noch weiter: Entscheidet sich ein Präsident für den Sitz im Aufsichtsrat, ist er nicht mehr Mitglied des Präsidialausschusses des e.V., also des Vorstands im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuchs. "Ein Präsident, der nicht Mitglied des Vorstands ist, wäre wirklich ungewöhnlich", sagt Leuschner. "Das hätte eine gewisse Symbolkraft, wenn er nicht in der Lage wäre, als Organ den DFB rechtsgeschäftlich zu vertreten."

Nach der Amtszeit Reinhard Grindels kann man auf die Idee kommen, den Präsidenten zu degradieren. Ihm wurde eine zu große Machtfülle vorgeworfen. Und natürlich hängt die Macht des DFB-Präsidenten auch immer von seiner Persönlichkeit ab. Doch dass das höchste Amt, das der deutsche Fußball zu vergeben hat, strukturell beschnitten wird, fürchten auch manche innerhalb des Verbands. Hermann Winkler, der Vorsitzende des Sächsischen Fußballverbandes, sagte dem Handelsblatt: "Das birgt natürlich die Gefahr, dass der Präsident in die Mühlen derer gerät, die eigene Interessen verfolgen." Ein ehemaliger hochrangiger Funktionär des deutschen Fußballs bezeichnet den künftigen DFB-Präsidenten gar als "Frühstücksdirektor".