Was war die Entscheidung des Abends?

Der hochklassigste Wettbewerb des dritten WM-Tags: Stabhochsprung der Frauen. Stabhochsprung ist immer ein besonders beeindruckendes Event, weil selbst jeder noch so zur Selbstüberschätzung neigende Sofasportler weiß, dass er es nie hinkriegen wird, sich kopfüber an einem Stab hochzuschleudern. Auf dem Sofa erschreckte man sich kurz, als der Schwedin Angelica Bengtsson bei schon ziemlich hohen 4,80 Metern der Stab brach und sie mit dem Kopf fast in den Einstichkasten fiel.


Mit fremdem Stab schaffte sie die Höhe trotzdem noch, konnte aber letztlich nicht ganz mit Anschelika Sidorowa und Sandi Morris mithalten. Morris und die als neutrale Athletin angetretene Russin Sidorowa blieben bis 4,90 Meter fehlerlos. Im dritten und letzten Versuch schaffte Sidorowa noch fünf Zentimeter mehr und holte Gold.

Was machten die Deutschen?

Die liefen langsam, aber gingen wenigstens schnell – also zumindest eine. Saskia Feige kam über die 20 Kilometer im Gehen als drittbeste Europäerin auf Platz elf. Eine sehr respektable Platzierung für Feige. Die Chinesin Liu Hong gewann vor einer Chinesin, die wiederum vor einer Chinesin gewann. Auf den vierten Platz wäre auch noch eine Chinesin gekommen, allerdings rutschte diese einmal zu oft vom schnellen Gehen ins langsame Laufen und wurde disqualifiziert. Vielleicht wäre sie beim Sprint besser aufgehoben gewesen. In diesem schafften es die Deutschen Gina Lückenkemper und Tatjana Pinto nicht ins Finale, in dem sich die Jamaikanerin Shelly-Ann Fraser-Pryce ihren insgesamt achten WM-Titel holte. Schon im Vorhinein war klar gewesen, dass Lückenkemper und Pinto keine Medaille holen würden, aber im Halbfinale waren sie dann doch erstaunlich chancenlos. Immerhin versprachen beide, in der Staffel doch ein bisschen schneller zu rennen. Dort haben die Deutschen sogar eine kleine Medaillenchance.

Wer war die Heldin des Abends?

Allyson Felix, die Usain Bolt als Rekordsieger abgelöst hat. In der erstmals ausgetragenen 4x400-Meter-Mixed-Staffel siegte Felix mit dem US-amerikanischen Team. Sie hat jetzt zwölf Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften gewonnen, Bolt läppische elf. Die Mixed-Staffel – man kennt sie etwa vom Schwimmen oder Biathlon – soll nun ein fester Bestandteil der Leichtathletik werden. Schon bei der Premiere zeigte sich, dass die goldene Regel für männliche und weibliche Staffeln genauso für die gemischte gilt: Lassen sie nicht gerade den Stab fallen, gewinnen meistens die USA.

Worüber reden alle?

Nicht über die WM in Doha, sondern den Marathon in Berlin. Dort treffen sich jedes Jahr die besten Langstreckenläufer und -läuferinnen, um den Weltrekord zu brechen. Bei den Männern schaffte das im Vorjahr der Kenianer Eliud Kipchoge, als er 2:01:39 Stunden für die 42,195 Kilometer brauchte. In diesem Jahr war Kenenisa Bekele aus Äthiopien nur zwei Sekunden langsamer – und das mit 37 Jahren. Wer über die langen Distanzen Bestleistungen sehen wollte, musste am Wochenende nach Berlin blicken und nicht nach Katar, wo selbst um Mitternacht die Wüstenhitze die Gesundheit der Sportler gefährdet.

Wann gewinnen die Deutschen die erste Medaille?

Heute, wir sagen das mal so forsch voraus. Sicher ist es natürlich nicht, dass Gesa Felicitas Krause über die 3.000 Meter Hindernis eine Medaille gewinnt, aber die Chancen stehen schon ganz gut. 2015 holte Krause schon einmal eine Medaille, nämlich Bronze. Nun ist sie in guter Form und selbst vor der katarischen Hitze hat sie keine Angst. Nachdem es bei den Deutschen im Werfen nicht mehr so klappt – Christoph Harting, Doppelolympiasieger (Gold im Diskus und in Großspurigkeit), schied schon in der Qualifikation aus –, muss eben eine Läuferin für die erste deutsche Medaille sorgen.