Auch bei der diesjährigen Leichtathletikweltmeisterschaft in Katar bleibt Russlands Verband gesperrt. Das entschied der Rat des Weltleichtathletikverbandes IAAF bei einer Sitzung in der WM-Gastgeberstadt Doha. "Es kann ganz klar gesagt werden, dass Russland die Bedingungen für eine Wiederzulassung nicht erfüllt hat", sagte Rune Andersen, Chef des IAAF-Inspektionsteams.

Bei der WM, die am Freitag in der Hauptstadt Katars beginnt, müssen die 29 nominierten russischen Sportlerinnen und Sportler unter neutraler Flagge auflaufen, wie auch beim vergangenen Turnier in London 2017. 

Im Jahr 2016 war nachgewiesen worden, dass Russlands Sportverbände staatlich organisiert Dopingproben manipuliert hatten. Laut dem nach seinem Autor benannten McLaren-Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) haben insgesamt über 1.000 Athletinnen und Athleten von dem System profitiert. Die russische Anti-Doping-Agentur (Rusada) war nach Bekanntwerden des Skandals von der Wada gesperrt und erst nach drei Jahren unter Auflagen wieder aufgenommen worden.

Die aktuelle Entscheidung, den russischen Verband nicht zum Wettkampf zuzulassen, habe ihn nicht überrascht, sagte IAAF-Präsident Sebastian Coe. "Wir hatten eine lange Diskussion im Council heute darüber." Die Entscheidung sei schließlich einstimmig gefallen.

Russland hatte drei Wochen Zeit, die Vorwürfe zu kommentieren

Hintergrund für die Sperre des Verbandes bei der WM in Doha ist der Verdacht, dass die Moskauer Dopingkontrolleure erneut falsche Daten an die Wada übermittelt haben sollen.

Der russische Verband hat jetzt drei Wochen Zeit, auf die Vorwürfe zu reagieren. Der Rusada und dem russischen Sportministerium seien Kopien der Berichte der Wada und von unabhängigen Experten zur Verfügung gestellt worden, teilte die Wada-Exekutive nach einer Sitzung in Tokio mit. In den Dokumenten seien "die fraglichen Widersprüche aufgeführt", heißt es von der Wada.

Allerdings hat es laut Wada auch "gute Fortschritte" bei der Analyse von Moskauer Labordaten gegeben: "Bislang wurden bereits 47 Fälle identifiziert und Beweispakete an die zuständigen internationalen Sportverbände übermittelt." 

Russischer Leichtathletikverband nicht überrascht

Der russische Leichtathletikverband zeigte sich wenig überrascht von der IAAF-Entscheidung. Das sei erwartet worden, hieß es in einer Mitteilung. Eine der Auflagen der Wada sei gewesen, sicherzustellen, dass die Proben aus dem Moskauer Labor echt seien. "Das Problem liegt nicht in unserer Zuständigkeit", teilte der Verband mit, nannte jedoch keinen aus seiner Sicht Verantwortlichen.