Wo, wann, wie?

Ab Freitag werden in Doha zehn Tage lang die schnellsten, ausdauerndsten, sprung- und wurfkräftigsten Frauen und Männer der Welt gesucht. Die Leichtathletik, die Königin der Sportarten, gibt sich die Ehre. Es ist WM und dabei sind mehr als 2.000 Sportlerinnen und Sportler aus mehr als 200 Ländern. ARD und ZDF übertragen täglich nachmittags und abends mehrere Stunden, auch im Livestream.

Was ist das Besondere an dieser WM?

Wir befinden uns im Jahre 2 n.B.. 2017 beendete Usain Bolt seine Karriere und bis heute ist nicht klar, wer die Stelle des Jamaikaners als Superstar seiner Sportart einnehmen kann. Für die Leichtathletik beginnt mit der WM eine neue Ära. Bolt war der einzige, dessen Prominenz mit denen der großen Fußball-, Tennis- und Basketballstars mithalten konnte. Pessimisten sagen deshalb, dass dieser Sport irgendwann niemanden mehr interessiert. Optimisten hoffen auf neue, modernere Disziplinen und vor allem auf neue Persönlichkeiten.

Wer könnte der neue Bolt werden?

Noah Lyles. Diesen Namen sollten Sie sich merken. Der Mann ist erst 22, läuft aber schon 9,86 Sekunden über 100 Meter und 19,50 Sekunden über 200 Meter, damit ist er auf dieser Distanz schon mal der viertschnellste Läufer der Geschichte. Aber Lyles ist nicht nur schnell, sondern kann auch Show. Er mag Rückwärtssaltos direkt auf der Tartanbahn, hat schon mal auf der Pariser Fashion Week gemodelt und möchte demnächst ein Rap-Album herausbringen. Mangelndes Selbstbewusstsein ist auch kein Thema. Nach einem schnellen Rennen schrieb er auf Instagram: "Bolt who?"

Auf welche Sportler sollte man noch achten?

  • auf die US-Amerikanerin Dalilah Muhammad und den Norweger Karsten Warholm, die jeweils dem Weltrekord über 400 Meter Hürden ganz nahe kommen könnten
  • auf die Stabhochspringer Armand Duplantis, Renaud Lavillenie und Sam Kendricks, die sich den vielleicht höchstklassigen Wettkampf der WM liefern werden
  • auf den Hochspringer Mutaz Essa Barshim, die Goldhoffnung Katars
  • auf die Dreispringerin Yulimar Rojas, 2017 erste Weltmeisterin aus Venezuela, die kürzlich den zweitweitesten Satz der Geschichte hinlegte
  • auf die sprintenden Mütter Shelly-Ann Fraser-Pryce (100 Meter, Jamaika) und Allyson Felix (4x400 Meter und Mixed-Staffel)

Was machen die Deutschen?

Alle hoffen auf Malaika Mihambo. Keine Weitspringerin ist derzeit auch nur nähernd so gut wie sie. Mihambo macht auch den Mund auf, äußerte sich zu den Themen Gastarbeiter und Klimadesaster. Zumindest auf eine Medaille schielt das neue deutsche Laufwunder Konstanze Klosterhalfen, sie muss sich nur noch entscheiden, ob sie über 1.500 oder 5.000 Meter antritt. Medaillenchancen haben auch der Hochspringer Mateusz Przybylko, der Zehnkämpfer Kai Kazmirek, die Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause, die traditionell und im Wortsinn starken deutschen Speerwerfer Johannes Vetter, Thomas Röhler, Andreas Hofmann und Julian Weber sowie die Speerwerferin Christin Hussong und vielleicht sogar die Sprintstaffel der Frauen. Der Diskus-Olympiasieger Christoph Harting hat Rücken, hofft auf einen Glückswurf.

Warum findet der Marathon um Mitternacht statt?

Weil es sonst zu heiß ist. 38 Grad sind es in Doha noch im Herbst. Deswegen weichen die Marathonis und Geher auf die Nacht aus. Da freut sich der Biorhythmus. Alle anderen Wettkämpfe finden in einem gekühlten Stadion statt. Im Khalifa International Stadium wird es durch ein Kühlsystem nicht wärmer als 26 Grad sein, dabei steht das Dach offen. Klingt nach Gretas Albtraum. Allerdings betonen die Kataris, dass ein Großteil der Energie erneuerbar sein wird. Hätte man die WM allerdings in Paris, Moskau oder Mexiko City ausgetragen, bräuchte man nicht mal Energie, die erneuerbar ist.