Waldemar Hartmann, der einmal so etwas wie das Meisterfeiermaskottchen des FC Bayern war, hat die Seiten gewechselt. Den Sportreporter Hartmann bezeichnen heute manche als Duzmaschine, weil er früher seine distanzlose Spezlhaftigkeit gegenüber Sportlern ganz ungeniert auch vor der Kamera ausgelebt hatte. Gemeinsam mit den Bayern feierte er unzählige Meisterschaften auf dem Münchner Rathausbalkon – ja, auch Hartmann feierte, als hätte er selbst etwas gewonnen.

Mittlerweile ist Hartmann per Du mit Oliver Mintzlaff, dem Geschäftsführer von RB Leipzig. "Ich bin ein Leipziger", brüllte Hartmann in der Halbzeitpause des Spiels gegen die Bayern in ein Mikrofon. Die RB-Fans jubelten. Hartmann ist von Berlin ("war mir bisschen zu chaotisch und aggressiv") nach Leipzig gezogen, Mintzlaff hatte ihn auch deshalb eingeladen.

Vor Kurzem noch war Hartmann der Glücksbringer von CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer, dem er beim Landtagswahlkampf half. "Das war ja am Ende doch ganz erfolgreich", rief Hartmann den Fans zu. Seht her, ich tauge was als Glücksbringer, wollte er damit sagen. Und ganz unrecht hatte er nicht, 1:1 trennten sich Leipzig und Bayern im ersten Spitzenspiel dieser Saison. Die Sachsen sind weiter Tabellenerster. Sie zeigten, dass im Meisterschaftskampf nicht nur mit Dortmund und Bayern, sondern auch mit ihnen zu rechnen ist.

Hasenfußtaktik mit einer Fünferkette

"Wir haben vergangene Saison gegen Dortmund und Bayern einen Punkt geholt: Das ist zu wenig, wenn du vorn angreifen willst", hatte Leipzigs Marcel Sabitzer vor dem Spiel dem Pay-TV-Sender Sky gesagt. Das klang nach Attacke. In der ersten Halbzeit war Leipzig aber zunächst komplett unterlegen, weil Julian Nagelsmann eine Aufstellung gewählt hatte, die so brav war wie sein Karohemd. Es war die Hasenfußtaktik mit der Fünferkette. Eine Idee, die Nagelsmann aus Hoffenheim mitgebracht hat und die für defensive Stabilität gegen die vier bayerischen Angreifer sorgen sollte.

Doch es reichte ein verlorener Zweikampf von Lukas Klostermann gegen Thomas Müller, um Leipzig schon nach drei Minuten zu überrumpeln. Müller passte auf Lewandowski und der traf am vierten Spieltag zum siebten Mal. Klostermann hätte zwar eine Minute später ausgleichen können, er traf den Ball aber schlecht.

Ab diesem Moment kontrollierten die Bayern das Spiel, weil Leipzig ein wichtiger Akteur im Mittelfeld fehlte, der war ja als fünfter Mann in der Verteidigung gebunden. Joshua Kimmich, der wie in der Nationalmannschaft im Mittelfeld auflief, hatte oft zu viel Platz. Dabei hatten schon die zweitklassigen Nordiren gezeigt, dass man Kimmich unter Druck setzen kann, wenn er in zentraler Position vor der Abwehr spielt. Als Leipzig einmal mehrere Spieler um Kimmich positioniert hatte, konnte der sich nicht befreien und Yussuf Poulsen hatte seine beste Chance.

Eine sehr starke bayerische Halbzeit

Ansonsten stürmten nur die Bayern. Es war eine gute Idee von Niko Kovač, Kingsley Coman von der linken auf die rechte Seite zu stellen. Wann immer er wollte, dribbelte er an Marcel Halstenberg vorbei. Auf der anderen Seite war Serge Gnabry immer wieder gefährlich. "Wir haben in der ersten Halbzeit sensationell gut gespielt", sagte Kovač. "Wir haben nichts zugelassen und müssen natürlich mehr Tore schießen." Doch Lewandowski und Müller vergaben weitere Chancen. Einen zunächst gegebenen Elfmeter für die Bayern nahm der Schiedsrichter Sascha Stegemann zu Recht wieder zurück, nachdem er sich die Szene nochmal angesehen hatte.

Und dann geschah es, ein Ereignis, das in etwa so häufig vorkommt wie ein großer Meteoriteneinschlag auf der Erde: Kurz vor der Pause unterlief Thiago Alcántara, der so präzise passt wie sonst keiner in der Bundesliga, ein schlimmer Abspielfehler. In der Folge davon foulte Hernández, es gab Elfmeter für Leipzig. Den konnte man geben, das 1:1 von Emil Forsberg war aber sehr schmeichelhaft für Leipzig.