Das Gold kommt scheibchenweise. Und würzig-scharf ist es auch. Malaiko Mihambo trinkt es gerade täglich. Der Ingwertee soll den letzten Kick geben. Eine Ernährungsumstellung kurz vor knapp, nicht des Gewichts wegen, sondern für die Abwehrkräfte. Alles muss passen. Nichts darf schiefgehen. Schon gar keine Erkältung kommen.

Die Weitspringerin Malaika Mihambo ist vielleicht in der Form ihres Lebens. Die 25-Jährige aus Heidelberg wird das deutsche Team anführen, wenn an diesem Freitag die Leichtathletik-WM in Doha beginnt. Mihambo reist als Deutsche Meisterin, Diamond-League-Siegerin und Weltjahresbeste an. Sie ist die klare Favoritin auf den WM-Titel. Doch wenn ihr Feind auch nicht die Form ist, dann ist es doch das Klima – oder vielmehr das, was sie in Katar daraus machen: mächtig herunterkühlen.

"Doha wird einzigartig sein", sagt Mihambo. Da muss sie selbst schmunzeln. Und ein bisschen die Stirn runzeln. Sie hätte auch absurd sagen können. Draußen, in der Wüste, werden es 40 Grad sein. Drinnen, im Khalifa-Stadion bei den 40.000, wo sie laufen, werfen, springen, dank innovativer Klimaanlage vergleichsweise kuschelige 25.

Die Sportler hat keiner gefragt

Das ist nicht ganz einfach. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat seine Sportler deshalb zur Vorbereitung in ein "Klimatisierungs-Trainingslager" geladen. Ein paar Tage gemeinsam in der Türkei. Aufwärmen für die Wüste, sozusagen. Mihambo hat abgelehnt. Es wäre nur doppelter Reisestress, sagt sie. Und ob es so wünschenswert ist, sich an Temperaturen und Trockenheit anzupassen, das ist sowieso noch mal eine andere Sache.

Ein heruntergekühltes Stadion ist nicht eben gut fürs Weltklima. Mihambo, die Umweltwissenschaften im Master studiert, macht sich auch darum Gedanken. Aber die Sportler hat keiner gefragt bei der Vergabe.

Ihnen muss die eigene Gesundheit genügen. "Immer im Zwiebellook, eine Jacke mehr", sagt Mihambo. Nasendusche und Salbe hat der Verband ihnen mitgegeben. Dazu kommt der Ingwer. Hitzemanagement ist das A und O, um die Form nicht im Sand zu versenken.

Auch deshalb wird sie nicht auch noch im Sprint starten. Theoretisch wäre das möglich gewesen. Die Norm über die 100 Meter hat sie. Es ist ihre Zweitdisziplin. Aber die Hundert sind zu Beginn der WM und der Weitsprung am Ende. Dann hätte sie die vollen zwei Wochen im Wechsel verbracht – zwischen Hitzewallung und Kältekompensation. So sind es wenigstens nur ein paar Tage. Bis dahin hält sie sich lieber zu Hause in Form, im Herbstlaub in der Kurpfalz.

Ihr Flug geht am 1. Oktober. So lange wird sie "ganz normal durchtrainieren". Langsam den Umfang herausnehmen, regenerieren. Mit Physio die "Wehwehchen ausmassieren", dass sie nicht zum Problem werden. Statt am Stützpunkt und in der Stadt liegt der Fokus hier nur bei ihr. Hier beim TSV Oftersheim mit ihrem Trainer Ralf Weber. Auf der Laufbahn hat sie im Alter von acht Jahren angefangen.

Einige Medaillenanwärter sagten ab

Ablenkung braucht sie nicht, aber Ausgleich. Mihambo spielt neben dem Training Klavier. Auch ihr Studium hat sie wegen der WM nicht ruhen lassen. "Ich würde vor dem Abflug gern noch was für die Uni schaffen", sagt sie.

Eine Hausarbeit wenigstens. In einer normalen Saison hätte sie die schon geschrieben. Dann wäre jetzt seit ein paar Wochen Pause. Eigentlich ist nach dem Sommer Schluss. Doch wegen der Wüste haben sie das verschoben. Doha ist einzigartig. Der Saisonhöhepunkt ist im Oktober statt August. Nicht jedem gelingt es, den Rhythmus umzustellen.

"Das ist vielleicht ein Grund, dass die letzten Wochen nicht spurlos am Team vorbeigegangen sind", sagt Malaika Mihambo. Selbst Nominierte mussten im deutschen Team noch kurzfristig absagen, weil die Form nicht passte oder der Körper, erschöpft von der langen Saison, nicht mehr wollte. Verletzungen wie die der Siebenkämpferin Carolin Schäfer schmerzen das deutsche Team. Es waren einige Medaillenanwärter, die absagten.

Der Druck lastet damit noch mehr auf den Übrigen. Malaika Mihambo sagt, ihr mache das nichts aus. "Was andere erwarten, ist mir nicht wichtig" – sie sagt das so gerade heraus. Es klingt nicht unfreundlich. Den halbherzigen Versuch, die Favoritenrolle von sich zu schieben, unternimmt sie erst gar nicht.