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Der Löw-Elf gelang zudem kaum ein erfolgreich abgeschlossener Konter, obwohl die Nordiren weit aufgerückt waren. Bei einer der wenigen Ausnahmen, es lief bereits die Nachspielzeit und ein letzter Versuch der Nordiren scheiterte vorn, setzte Kai Havertz, der nach seiner Einwechslung die deutschen Angriffe belebte, Serge Gnabry für das zweite Tor des Abends ein. Der nordirische Keeper mit dem tollen Namen Bailey Peacock-Farrell war gut an diesem Tag, aber dieser Ball war haltbar. Mit dem Tor war das Spiel vorbei. 

Kurze Stille, dann sangen die zurecht stolzen Fans noch einen auf ihren Rechtsaußen Corry Evans, zur Melodie von There's no Limit des früheren Eurodanceduos 2 Unlimited:

Corry, Corry, Corry, Corry, Corry, Corry, Corry, Corry

Drei Spieltage vor Schluss läuft es nun darauf hinaus, dass sich der neue Spitzenreiter dieser Gruppe, Deutschland, für die EM qualifizieren wird. Das war nach der Niederlage gegen Holland und der ersten Halbzeit gar nicht mehr so sicher. Doch um die Qualität der Mannschaft darf man sich sorgen.

Wo liegen die Probleme?

Am Abwehrzentrum lag es diesmal nicht, allenfalls Matthias Ginter offenbarte Schwierigkeiten im Spielaufbau. Dennoch bleibt Deutschland hinten wacklig, zumal die planmäßigen Außenverteidiger Nico Schulz und Thilo Kehrer keine Spezialisten oder die schnellen Ersatzleute Halstenberg und vor allem Klostermann ihrer Technik einige Stundenkilometer voraus sind. Klostermanns Fußhaltung beim Schuss steht in keinem Lehrbuch.

Auch das Mittelfeld gefiel an diesem Abend erneut nicht. Toni Kroos ließ sich weitgehend aus dem Spiel nehmen. Und Joshua Kimmich im defensiven Mittelfeld gab sich schwächlich im Eins-gegen-Eins, weswegen er oft weit zurückwich – und mit ihm die ganze Mannschaft. Er soll diese Schlüsselposition wohl weiterhin besetzen, das könnte es der deutschen Elf erschweren, die Initiative im Spiel zu ergreifen.

Löw muss nun puzzeln

Vorn verloren sich die Stürmer aus den Augen. Serge Gnabrys Rolle war lange undefiniert, Julian Brandt noch kein gänzlicher Teil der Mannschaft, Timo Werner unterliefen viele Fehler, jedoch kam er ein paarmal zum Abschluss. Und es dürfte nicht viele Fußballer auf der Welt geben, die aus ihren sehr großen Möglichkeiten so wenig machen wie Marco Reus, speziell in der Nationalelf. Zudem fügten sich die Mannschaftsteile nicht zu einem Ganzen, weswegen der Fußball der Deutschen zurzeit wenig Spaß bereitet.

Will man die Chancen im nächsten Jahr bemessen, muss man also zwei Dinge bedenken: Einerseits haben wenige Länder in Europa und in der Welt so viele Talente und gute Fußballer wie Deutschland. Erst recht, wenn die Verletzten wieder dabei sein werden. Andererseits ist die Elf im Aufbau, weswegen sie sicher nicht zum engsten EM-Favoritenkreis zählen wird. Nicht zuletzt ist die Frage, was der Trainer aus der Mannschaft herausholt und wie er die Puzzlestücke zusammensetzt.