Am 12. März dieses Jahres kleidet sich Sahar Khodayari, von deren Haut später 90 Prozent verbrennen, ganz in Blau, der Farbe ihres Lieblingsvereins Esteghlal Teheran. Dazu setzt sie sich eine blaue Perücke auf den Kopf. Esteghlal spielt am Abend in der asiatischen Champions League gegen al-Ain aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Khodayari hat sich als Mann verkleidet, weil es Frauen im Iran nur so in Fußballstadien schaffen. Am Einlass vor dem Azadi-Stadion, dem Freiheitsstadion, wird sie festgenommen. Khodayari, damals 29, wird wegen Beleidigung der öffentlichen Ordnung und der Polizei angeklagt, in das berüchtigte Frauengefängnis Gharchak gebracht und später gegen eine Kaution freigelassen. Am zweiten September wird ein erstes Verfahren abgesagt, aber Khodayari erfährt, dass ihr eine sechsmonatige Gefängnisstrafe droht. Daraufhin zündet sie sich vor dem Gericht selbst an. Am vergangenen Montag stirbt sie aufgrund ihrer schweren Verbrennungen.

Schon oft wurde im Iran gegen das Stadionverbot für Frauen protestiert, zum Beispiel vor der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr. Aber noch nie hat der Protest weltweit so viel Aufmerksamkeit erzeugt, unzählige Fußballerinnen und Aktivisten solidarisierten sich mit Khodayari.

Manche sendeten einfach ihre Beileidsbekundungen an die Angehörigen des "blauen Mädchens" (#BlueGirl), wie Khodayari aufgrund der blauen Verkleidung häufig genannt wird. Etwa der französische Weltmeister Paul Pogba.

Vielen anderen aber reicht das nicht, auf Twitter macht aktuell der Hashtag "BanIRSportsFederations" die Runde. Das zielt vor allem auf den Weltverband Fifa, die den Iran endlich von allen internationalen Spielen ausschließen soll, solange er Frauen nicht ins Stadion lässt. Denn das Verbot verstößt gegen die Fifa-Statuten, laut derer Diskriminierung gegen Frauen "strikt verboten" ist.

Die Fifa aber schrieb am Dienstag zum Tod Khodayaris nur Folgendes:

Man bedauere diese Tragödie zutiefst und wiederhole die "Forderung an die iranischen Behörden, die Freiheit und Sicherheit aller Frauen zu gewährleisten, die sich in einem legitimen Kampf gegen das Stadionverbot engagieren". Die iranisch-amerikanische Journalistin und Aktivistin Masih Alinejad aber entgegnete in einem Interview mit der BBC: "Wir brauchen nicht die leeren Worte der Fifa, wir wollen von der Fifa, dass sie den Iran von internationalen Spielen ausschließt." Eine Forderung, die nun lauter wird, selbst unter Iranern.

Natürlich ist die Frage, warum eine Nation an Fifa-Turnieren teilnehmen darf, obwohl sie die von der Fifa formulierten Werte verletzt, berechtigt. Um sie vor zu viel Maskulinität zu schützen, wie es von schiitischen Geistlichen heißt, ist es den Iranerinnen seit 1981 verboten, Fußballspiele von Männern anzuschauen. In keinem anderen Land gibt es momentan ein solches Verbot. Selbst Saudi-Arabien, das streng religiöse Königreich, hat Anfang des Jahres erstmals Frauen ins Stadion gelassen.

Im Iran gibt es Widerstand, den die Fifa stärken könnte

Die Fifa, die oft und gerne die weltverbessernde Kraft des Fußballs betont, hat zu alldem ziemlich lange geschwiegen. Im vergangenen Jahr besuchte der Präsident Gianni Infantino in Teheran ein Spiel zwischen Esteghlal und Persepolis. Dabei wurden mal wieder mehrere Frauen verhaftete, doch Infantino sagte nichts. Im Juni stellte der Weltverband dem Iran zwar ein Ultimatum, das wurde aber mehrfach verlängert. Zum WM-Qualifikationsspiel gegen Kambodscha am zehnten Oktober sollen nun ein paar Frauen ins Stadion dürfen, von allen anderen Spielen bleiben sie wohl weiter ausgeschlossen.

Immerhin gibt es im Iran mittlerweile massiven Widerstand gegen den Ausschluss von Frauen, auch Irans Präsident Hassan Ruhani hat sich gegen das Stadionverbot ausgesprochen. Die Fifa könnte diesen Widerstand stärken, indem sie den Iran von der aktuell laufenden WM-Quali sowie anderen Wettbewerben ausschließt. Bislang tut sie es nicht, dafür unterstützen zum Beispiel Irans Fußballer Frauen wie Khodayari. Masoud Shojaei, Irans Nationalmannschaftskapitän, schrieb auf Instagram: "Die Selbstverbrennung einer Frau, die angeklagt wurde, weil sie ein Fußballspiel gucken wollte – das Resultat scheußlichen und widerwärtigen Denkens – wird für zukünftige Generationen völlig unverständlich sein."